2012 hat gerade angefangen und während sich viele fragen, wohin es einen in den nächsten 12 Monaten überall treibt, frage ich mich natürlich wie Bayer Leverkusen das neue Jahr in Angriff nimmt und wohin der Weg führt.
Zu aller erst geht es nach Portugal ins Trainingslager. Neben den bekannten Gesichtern auch mit Yesil, Aydin, Pusch und Kohr. Zusammen sollen sie mit anderen Reservisten wie Ortega, Bellarabi oder Danny da Costa für gesunden Konkurrenzkampf sorgen. Aus diesem verabschiedet haben sich der zu schwache Jørgensen sowie Hanno Balitsch. Der Trainer darf bekanntlich bleiben. Robin Dutt muss den Karren aus dem Dreck ziehen, den er mitunter selbst dort rein bugsierte. Wie er das anstellen will, ist nicht bekannt. Völler meinte offen, er müsse wieder so an seine Methoden glauben, wie er es zu Anfang tat. Ob der wohl inzwischen an sich selbst zweifelnde Dutt in dieser Zeit eine 180 Grad Drehung hinlegte, die er nun erneut vollenden muss, kann man nicht mit Sicherheit sagen. Die Erfahrung sagt aber einen, dass sich in drei oder vier Wochen nicht so viel bewegt, dass wir beim nächsten Spiel eine völlig veränderte Mannschaft sehen werden. Das in solchen Situationen gern hervorgeholte “Es wird Zeit benötigen” klingt dabei schon wie eine Drohung an die auf Erfolg erpichten Fans. Manche rechnen mit einem schnellen Abschied von Robin Dutt, andere glauben daran, dass die Mannschaft mit ihm die Kurve bekommt. Zumindest die Teile, die voll mitziehen und nicht aussortiert werden. Beobachter des Freiburger Sportclubs sprechen von ihrem Ex-Trainer sehr gerne als umgänglichen Menschen, allerdings unter einer Bedingung: Mit Herz und Verstand zusammen an einem Strang ziehen. Wer da vom Weg abkommt, gehört beim 46-jährigen schnell nicht mehr zur ersten Wahl. Dabei ist zweitrangig wie wichtig ein Einzelspieler durch seine besonderen Fähigkeiten ist. Seine Spielidee aus Freiburger Zeiten benötigte viel Laufarbeit und strenge, taktische Disziplin, der man sich unterzuordnen hat. In Leverkusen ist dieser Gedanke noch nicht verwirklicht worden. Auch weil Dutt selbst von seinem Weg abkam. War in den ersten Wochen noch sehr klar erkenntlich, dass er sein Freiburger System propagierte, lockerte es sich mit der Zeit immer mehr auf. Der einzelne Spieler rutschte mit seinen teils herausragenden Fähigkeiten wieder vermehrt in den Mittelpunkt. Statt auf das schnelle Kurzpassspiel setzte man auf das Genie eines Renato Augustos und anstatt den Gegner mit gefährlichen Außenspielern zu fordern, verließ man sich auf die eigenen Stärken eines Schürrles oder Kießlings. Doch trotz aller Bemühungen laufen zum Beispiel diese zwei genannten Herren nicht nur ihren Gegnern, sondern auf ihrer Form hinterher.
Vielleicht, aber nur vielleicht, meint Rudi Völler genau diesen Punkt damit, wenn er sagt, dass Dutt wieder so einer werden solle, wie er es zu Beginn seiner Amtszeit war. Vielleicht schwindet der Glaube an die Stärke des Einzelnen und zurück bleibt der Versuch, aus all diesen durchaus talentierten Spielern eine Truppe zu bilden, die sich erneut ihren Platz in den Top3 suchen soll. Unter Jupp Heynckes war es gar nicht groß anders. Zwar waren seine Methoden teils deutlich andere, doch am Ende formte er sie alle zu einem Team. Sein Problem, wenn man es denn so nennen mag, war, dass er fast keinen Spieler konstant zu absoluten Höchstleistungen treiben konnte. Arturo Vidal machte er zu einem in Europa angesehenen Spieler, aber ein Sami Hyypiä, das gab er selbst zu, trainierte sich quasi von allein und wer blieb in seiner letzten Saison dann noch übrig? Heynckes verpasste es in zwei Jahren aus diesem Pool an hochveranlagten Akteuren Typen zu bilden, die jetzt den sprichwörtlichen Karren aus dem Dreck ziehen würden und Robin Dutt hat daran zu knabbern. Vielleicht, aber nur vielleicht, sah Jupp Heynckes das alles irgendwie auf sich zukommen und bewegte sich deshalb in Richtung München.
Das Jahr 2012 könnte eines der wichtigsten in der nach-2002-Entwicklung von Bayer 04 Leverkusen werden und durch all die Ungewissheit, die einem manchmal als Fan zum Wahnsinn treibt, könnte es sich auch zum interessantesten sowie nervenaufreibendsten Jahr aufspielen. Die Grundlage für ein Jahr mit vielen Wendepunkten, an denen wir manchmal jubeln und ein anderes Mal verzweifeln werden, ist gesetzt, doch wegen genau diesen Momenten gibt es so viele Sportfans. Weil sie ihr grundsätzliches Interesse nicht nur kühl beobachten, sondern direkt miterleben wollen. Machen wir also das Beste daraus und blicken nicht unbedingt optimistisch, aber stets offen nach vorne. Fehler aus der Vergangenheit, die mit der derzeitigen, unbefriedigenden Situation zusammenhängen, soll man keinesfalls totschweigen, aber sie ewig aufzuführen, bringt uns beim Neustart auch nicht weiter voran.
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