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Spieltag

Hallo liebe Leser,

eigentlich wollte ich es vermeiden euch direkt anzusprechen. Zwar kommt diese Masche immer wieder gut an, doch sie ist mir irgendwie zu perfide, zu einfach gestrickt. Wie kleine, vermeintlich süße Kinder in der Werbung. Für die richtige Situation mag diese Machart gut sein, aber man sollte es nicht zu oft anwenden. Jedoch will ich mich nicht allzu lang mit dem Schalke-Spiel beschäftigen, ihr wisst doch wieso.

Es war nun die dritte nennenswerte Niederlage in Folge und mal ganz ehrlich: Das Fass ist langsam voll. Und warum? Weil wir verwöhnte Fans sind. Zweimal gegen eine aktuell einfach viel bessere Mannschaft verloren und einmal gegen aus unerfindlichen Gründen wiedererstarkte Magath-Jünger. Kann passieren, war, und das ist entscheidend, früher aber anders. Ist jetzt halt so, kann man nichts mehr daran ändern.

Hingegen ist es kein Fehler in der Gegenwart Dinge zu ändern, um zukünftig für weniger Ärger im und um den Klub zu sorgen. Blogkollege Jens meint, dass die wahren Experten in den Bayerbüros sitzen und vertraut darauf. Verständlich und meiner Meinung nach auch richtig. Was genau an den Schreibtischen passiert, werden wir nicht erfahren und das ist verheerend für die Außenwirkung. Zwar bin ich weiterhin der Meinung, dass die Außenwirkung gerne überschätzt wird, doch sie ist da und wirft aktuell ein schlechtes Bild ab. Es sieht in der Regel immer besser aus, wenn man im Abwärtstrend nach außen ersichtliche Entscheidungen trifft, die dagegen wirken. Die bezeugen, dass es voran geht, es noch Schrauben gibt, an denen man drehen kann. Trainerwechsel, frisches Geld, taktische Umstellungen. Ob diese Maßnahmen auch inhaltlich Sinn machen, ist für die Außenwirkung und Besänftigung des Umfeldes erst einmal nichtig. Veränderungen wecken immer die Hoffnung nach einer Verbesserung der Situation.

Bei Bayer Leverkusen sieht man aus bekannten Gründen nichts und deswegen ist blindes Vertrauen von Nöten, doch große Hoffnungen sollte man sich auch nicht machen. Die Mannschaft spielt aktuell um Platz 5, 6 oder gar 7 und da verliert es sich öfters als beim Kampf um die Meisterschaft. Gewöhnt euch daran, denn es wird, darauf lege ich mich mal fest, diese Saison nicht besser. Denn was soll sich groß ändern? Die Defensive ist instabil, die Offensive weit entfernt vom Glanz früherer Tage. Taktisch ging Dutt schon das gesamte Repertoire durch, Neuzugänge gibt es erst im Sommer und der Trainer bleibt Trainer.

Oder etwa nicht? Vielleicht schwirrt mir der Gedanke nur im Affekt der Niederlage im Kopf herum, doch auch wenn man Dutt ein deutlich schlechteres Ergebnis als erwartet zugesteht (und ich spreche dabei nicht allein von der Tabellensituation), ist sein Arbeitsplatz bis zum Saisonende nicht garantiert. Man darf durchaus mit dem Gedanken spielen, dass seine Tage gezählt sind, wenn es sich nicht bessert.

Doch viel wichtiger ist mir ein anderes Thema und damit kommen wir zu einer Frage, die ich mir seit gut 2 Wochen intensiv selbst stelle und dabei keine rechte Antwort finde. Wie stark darf/soll/kann ich als hier schreibender Blogger Spieler negativ kritisieren? Was ist dabei gerecht/fair und wie wirkt das auf euch, meine Leser? Ich sollte ja nicht nur mir, sondern auch euch gerecht werden.

Ich habe Verständnis dafür, wenn ein Spieler eine schlechte Partie abliefert und völlig neben der Kappe steht. Das passiert und er weiß wahrscheinlich am besten, dass das nicht sein Spiel war. Ich versuche dann darauf hinzudeuten, zu erklären woran es (auf dem Spielfeld) lag und eventuell Vorschläge zur Verbesserung darzulegen. Zwar habe ich die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen, aber zur differenzierten Meinungsbildung schadet es nie, sich verschiedene Sichtweise anzulesen.

Mir würde zum Beispiel nie einfallen, hier Spieler nieder zu machen und schlechte Schulnoten zu verteilen. Desweiteren versuche ich es zu vermeiden, immer wieder die gleichen Fehler oder Namen aufzuführen. Kadlec, der in diesem Blog zeitweise wöchentlich negativ kritisiert wurde, thematisiere ich nur noch selten.

Nun haben wir aber folgenden Fall, eingeordnet unter R wie Rolfes. Simon Rolfes kam schon in den letzten zwei Blogartikeln nicht gut weg, muss sich von mir auf Twitter einiges anhören und erhielt hier schon lange kein Lob mehr, obwohl durchaus auch mal das ein oder andere lobende Wort angebracht gewesen wäre. Normalerweise würde ich ihn mir jetzt auch gar nicht herauspicken, doch bei mir ist eine Grenze erreicht.

Grund dafür sind seine Interviews nach den Spielen. Gerne stellt er sich vor die Mikrofone und anstatt irgendwelche 0815-Durchhalteparolen darzubieten, kritisiert er immer wieder Dutt. Mal verdeckt, mal geradeaus. Mündige Spieler sind zwar toll für die Fans, doch wer fordert, kritisiert und dann im Spiel gegen Schalke eine Leistung jenseits seines Niveaus darbietet, hat sich erstens in eigene Fleisch geschnitten und zweitens nicht verstanden, worum es im Mannschaftssport geht.

Ich habe kein Problem damit, wenn ein Schwaab patzt und ein Schürrle schlendert, doch wer sein Maul gegenüber Vorgesetzten und Kollegen aufreißt, soll, nein MUSS mit Beispiel vorangehen. Wenn ich sein Mitspieler wäre, ich hätte mir ihn schon lange mal gepackt und hoffe, irgendeiner hat das in der Kabine schon einmal getan.

Um die Kurve zum Anfang wieder zu bekommen: Wir sind verwöhnte Fans. Die Saison verläuft teils weit hinter den Erwartungen, doch im Vergleich mit anderen Mannschaften ist das Meckern auf hohem Niveau. Allerdings will der Klub dieses hohe Niveau erreichen und deswegen ist Kritik berechtigt und angebracht.

An diese Gesamtsituation werden wir Woche für Woche erinnert und das bleibt auch vorerst so. Nicht, weil wir jetzt jedes Spiel verlieren, sondern weil die Probleme nach 27 Spieltagen zu tief feststecken, um innerhalb weniger Wochen oder gar mit ein paar größeren Entscheidungen gelöst zu werden.

Deswegen bin ich auch weniger als Fan vom Spieler Simon Rolfes enttäuscht. Vielmehr bin ich es als Mensch vom Menschen Simon Rolfes. Das ist ein Verhalten das mir in solchen Situationen einfach völlig gegen den Strich geht, wenngleich ich ihn eigentlich nicht kenne. Doch ich kenne genug, die ähnlich handeln und damit niemanden weiterhelfen, außer ihrem eigenen Ego.

Ich weiß jetzt schon, dass ich den Beitrag irgendwann bereue, doch das musste jetzt mal sein. Ihr wisst schon, wie ihr das einordnen müsst.

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Alles oder … Nichts!

Schon vor dem Spiel gegen Gladbach war ich müde. Diese Saison ist so verdammt anstrengend. Ich hatte am Samstag nicht einmal mehr die Kraft, mich groß zu ärgern, als Gladbach in der 88. Minute vollkommen unnötig den 2:1 Siegtreffer erzielte.

Wie oft kamen in dieser Saison in Gesprächen über unserer Mannschaft eigentlich die Worte „vollkommen unnötig“ vor? Zu oft. Und dennoch sind all diese „vollkommen unnötigen“ Dinge passiert. Und sie sind nicht mehr rückgängig zu machen. Diese Saison ist im Arsch und wir werden von Glück sagen können, wenn wir uns am Ende für die EL qualifizieren.

Noch immer bin ich am überlegen, ob es dumm ist, einen Punkt gegen Gladbach ab der 85. Minute so fahrlässig aufs Spiel zu setzen oder ob es richtig von der Mannschaft war, auf das 2:1 zu drängen. Ob es richtig war, alles oder nichts zu spielen. Ich habe keine Ahnung, ich kenne nur das Ergebnis: Acht Spieltage vor Saison-Ende stehen wir mit nichts da.

Für Durchhalteparolen oder „Da geht noch was“-Sprüche fehlt mir derzeit einfach die Kraft. Ich schaffe es nicht einmal – wie ich es eigentlich vorhatte – eine große Wunschliste für die kommende Saison zu schreiben. Ich meine ein Kadlec braucht ganz dringend jemanden, der ihm entweder von der Bank Druck macht, oder aber sogar auf die Bank verdrängt. Simon Rolfes soll sich sein Gequatsche über Balance im Spiel sparen, solange ich das Gefühl nicht loswerde, dass es ihm nicht um den Erfolg der Mannschaft geht, sondern vor allem um ein Spiel-Konzept, in dem er auch noch glänzen kann. Unsere medizinische Abteilung und das Trainerteam sollten sich mal zusammensetzen und überlegen, was wir machen können, damit unseren Profis die Muskeln nicht ständig reißen … Es gibt so viel zu tun.

Und vielleicht kann man ja, wo die Saison doch eh schon im Arsch ist, jetzt schon anfangen, ein paar von all diesen Dingen zu erledigen.

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Misserfolg nach Maß

Der immer kleiner werdende Kader zwang Robin Dutt zur Fehlentscheidung und katapultierte die Werkself zurück in die Hinrunde. Für einen Sieg reichte es trotzdem.

In den ersten Minuten spielte die Leverkusener Mannschaft auf als wäre unter der Woche tatsächlich nichts gewesen. Schon nach drei Minuten drückt Kießling den Ball zur frühen Führung über die Torlinie. Darauf folgten einige hochkarätige Chancen, die zu einem weiteren Torerfolg hätten führen müssen. Taten sie aber nicht und das lag an den Querdenkern. Rückblick: In der Hinrunde drang immer wieder nach außen, dass es intern Querdenker und Querulanten gebe, die sich einem Erfolg von Robin Dutt entgegen stellen. Darunter zum Beispiel der vom Hof gejagte Hanno Balitsch. Viele dachten, es ginge um Missgunst und fehlendem Respekt voreinander, doch seit gestern weiß man, es geht um Querpässe in des Gegners Strafraum. Gleich zweimal tauchte ein Bayerspieler mit dem Ball vor dem Torhüter auf und anstatt lässig einzuschieben, wird ein Querpass zum vermeintlichen so gut stehenden Mitspieler bevorzugt. Der Torjubel blieb jedes Mal aus. Die Mannschaft verbittet sich dem Erfolg und untergräbt damit öffentlich die Autorität ihres Trainers. Misserfolg nach Maß.

Robin Dutt schaute sich das eine Weile lang an, doch als Simon Rolfes das Simulieren anfing und sich sogar noch vom Platz tragen ließ, platzte dem Jahrgangsbesten der Kragen. Rolfes raus, Bellarabi rein. Eine taktische Umstellung, die sich gewaschen hat. Aus den drei Defensiven Rolfes-Reinartz-Bender, die vor den bekannten Magath-Kontern schützen sollen, wurde das Duo Reinartz-Bender. Davor dann im klassischen 4-2-3-1 die Offensivkette mit Schürrle, Renato und dem eingewechselten Bellarabi. Der Anfang vom Ende.

Der Kniff war folgender: Die sehr hoch stehende Abwehrkette musste sich bei Ballgewinn des Gegners sehr schnell zurückziehen, während weite Teile des Mittelfelds (nach vorne) auf den Ballführenden und dessen Anspielstationen presste oder es zumindest versuchte. Dadurch entstand ein Raum zwischen beiden Mannschaftsteilen, der entweder geschickt mit längeren Pässen schnell überbrückt werden konnte oder vom sehr gut aufspielenden Dejagah als Dribblingzone genutzt wurde.

So einfach lassen sich aber die erfahrenen Werkselfakteure nicht übertölpeln. Das Zweikampfverhalten wurde daraufhin weitestgehend eingestellt und kam man dann durch Fehlpässe der Wolfsburger doch noch in Ballbesitz, stürmte man nach vorne wie zu besten Zeiten. Die Fans schrien vor Euphorie. Schürrle sprintet mit dem Ball über das halbe Feld, spielt den mitlaufenden Castro an, der steht frei im Sechszehner… Querpass. Chance vereitelt. Weltklasse.

Doch einer bäumte sich aber auf. Einer hatte genug. Einer konnte das nicht länger mit ansehen. Michal Kadlec hatte die Schnauze voll. Nach einem Querpass verwandelt er eiskalt zum Ausgleich. In der Schlussminute gelang dann noch Eren Derdiyok der Siegtreffer.

Wolfgang Holzhäuser bedankte sich danach in der Kabine und sprach von einem denkwürdigen Spiel. Als Champions-League-Dauergast muss man so angeschlagene Wölfe auch einfach wegputzen. Robin Dutt freut sich derweil auf die kommenden Spiele gegen Gladbach und Schalke. Endlich wieder Partien, bei denen man sich auf den Gegner einstellen muss.

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Eine Medaille, zwei Seiten

Damals, ich muss so 13 Jahre alt gewesen sein, schlug ich wie zu jedem Saisonbeginn den eben ausgeteilten Spielplan auf und suchte zwei bestimmte Mannschaftsnamen. Der erste war schnell gefunden. Es war die allseits bekannte Nachbarstadt, die deutlich kleiner als unsere ist, aber sich für gleichwertig hielt. Das waren immer tolle, intensive und meist lange Spiele. Der Verein legte immer gehobenen Wert darauf, dass man gegen die Nachbarstadt gewinne und meistens taten wir das. Das war Vorfreude pur, weil man seinen Gegner gut kannte, sie alterten schließlich gleichschnell. Immer die gleichen Gesichter, immer dasselbe Spiel, immer wieder großartig.

Den Namen des anderen gesuchten Vereins hoffte man eigentlich nie zu finden. Sie kamen von etwas weiter her und waren einfach blöd. In jeglicher Hinsicht. Ich hielt ihre ständig wechselnden und stets neuen Trikots für blöd, ihr selbstbewusstes Auftreten in unserer eigenen Halle war arrogant und ständig waren sie so extrem konzentriert. Ich sah keine gute Laune, kein Spaß am Spiel, kein Tischtennis wie ich es mochte.

Sie klatschten uns Jahr für Jahr an die Wand und es ist wahrlich nicht so, dass wir nur ein Haufen von Versagern waren. Dreimal in Folge stiegen wir auf, doch dieser eine Konkurrent immer mit und mit einigen Punkten Vorsprung, während wir uns jeden Punkt hart erkämpfen musste. Es war Kampf, Schweiß und die pure Ekstase, wenn ein spannender Spielzug einem zum Mannschaftssieg brachte. Doch diese einen… das waren Roboter. Präzise, schnell, übermächtig. Verschiedenste Taktiken (oder was wir dafür hielten) und Spielzüge probierten wir aus, doch es half nicht. Sie waren unerreichbar.

Die Gründe dafür lagen für uns auf der Hand. Die Gegnerstadt steckte deutlich mehr Geld in diesen Randsport. Teure Ausrüstung und eine Ausstattung der Trainingshalle, die jedes Herz höher schlagen lässt. Die Älteren erzählten mir immer wieder, dass man dagegen nichts machen könne. So sei das nun mal und der Herrenmannschaft erginge es nicht anders. Wenn du auf diesen einen Gegner triffst, dann wird auch eine deutliche Niederlage zu einem akzeptablen Ergebnis.

In der Folge einer solchen Niederlage wiederholten sich die Aussagen der Trainer und Betreuer über die Jahre immer wieder. „Wir können von solchen Erfahrung lernen und uns ein Beispiel nehmen“, war sehr beliebt. Absoluter Scheiß, wenn man mich damals gefragt hätte. Ich war zermürbt und wollte nie einer dieser Roboter werden. Schlimmer waren nur diese Besserwisser: „Ja, da musst du besser gegenhalten und mal auf einen wichtigen Punkt drängen.“ Blödsinn. Jeder wusste, dass meine Stärken in der Defensive lagen. Ich ließ den Gegner kommen und schlug dann konterartig zu. Zudem waren das, und ich kann es nicht oft genug betonen, ROBOTER.

Da ist mir dann auch die Art der Niederlage egal. Soll er mich doch vorführen, nur eines nahm ich mir immer vor: Wenn es 0:0 steht, spielst du dein bestes Tischtennis, versuchst zu punkten und stellst dann dein Spiel dem Gegner entsprechend ein. Doch dieser eine Gegner lief stets wie eine geölte Maschine und dann bringe ich es nur noch hinter mich. Nicht, weil ich an meine Mannschaftskollegen nicht mehr glaube, sondern weil ich einfach wusste, dass Roboter immer in der Lage sind, ein oder gar zwei Schippen draufzulegen.

Wir konnten eine komplette Saison nur Siege einfahren, zwei Niederlagen standen schon immer vor Startschuss fest. Das hatte für mich damals wenig mit fairem Sport zu tun, doch so ist das nun einmal. Du kannst dein bestes Spiel spielen, einen Sieg gegen einen Topplatzierten einfahren und trotzdem wirst du die darauffolgende Partie verlieren, wenn der Gegner ein bestimmter ist. Es war irgendwann so weit, dass ich beschloss, es sei der größte Erfolg für unsere Mannschaft, wenn wir nur dieses eine Spiel gewinnen. Doch der Schulstress nahm zu und ich verlor dieses Ziel aus den Augen.

Es waren wirklich erfolgreiche Jahre, die wir als Team da hatten. Drei Aufstiege in Folge, dazu Derby- und Turniersiege. Wir wurden besser, hatten großen Spaß und eine richtig gute Zeit im sportlichen Wettkampf. Daran ändert auch die Tatsache nichts, nie einen Erfolg gegen diese einen gelandet zu haben.

Wieso ich euch das erzähle? Ich hätte diese Anekdote nach all den Jahren fast vergessen, doch gestern Abend erinnerte ich mich spontan daran und was ich damit sagen möchte, ist folgendes:

Es ist egal, ob du 7:1 oder 2:0 verlierst, wenn dir ein übermächtiger Gegner übersteht, der deswegen als „übermächtig“ gilt, weil er immer dazu in der Lage ist, besser als du selbst zu spielen und am gestrigen Abend fing das Spiel auch  nicht bei 0:0, sondern bei 1:3-Rückstand an. Ich bin keiner, der dem Barca-Hype erlegen ist und unbedingt Messi die Füße küssen möchte, doch was Barcelona fußballerisch darbieten kann, sucht seinesgleichen. In der Bundesliga kann jeder jeden schlagen und Leverkusen spielt dabei seit Jahren an vorderster Front mit, doch wo die Katalanen oder auch Klubs wie Manchester United sind und waren, war ein Bayer Leverkusen noch nie.

Falls sich jemand jetzt frägt, ob es überhaupt etwas Größeres als den zelebrierten Barcelona-Fußball gibt, dem kann ich nur antworten: Ja, Barcelonas Schuldenberg.

 

 

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Bayer 04 Leverkusen – FC Bayern München 2:0

Beim Hinspiel im September 2011 sind wir mit einer 3:0 Niederlage aus München zurückgekehrt. Seitdem ist einiges passiert. Der FC Bayern München befindet sich offiziell in der Krise; von den übermächtigen Vorrunden-Bayern ist derzeit nichts mehr zu sehen, die Rückrunden-Bayern spielen samstags 0:0 in Freiburg und verlieren mittwochs 1:0 in Basel. In Leverkusen kehrt derweil nach vielen trostlosen Wochen die Spielfreude zurück. 4:1 zu Hause gegen Augsburg gefolgt von einem 2:0 Auswärtssieg im Derby unmittelbar vor unserem Heimspiel gegen die Bayern, das stimmt optimistisch. Während ich also für das Hinspiel noch einen klaren 4:0 Sieg für die Münchner getippt hatte, glaubte ich am Samstag an einen knappen 1:0 Heimsieg für unsere Jungs.

Nach einer Schrecksekunde direkt zu Beginn, als beinahe schon das 1:0 für die Gäste gefallen wäre, sah ich unsere Mannschaft schon in der ersten Halbzeit durchaus auf Augenhöhe mit den Bayern. Die gängigen Sportmedien erlebten den FC Bayern München dominanter als ich es im Stadion wahrgenommen habe, und konstatieren einen “nicht unverdienten” Sieg der Leverkusener. Ein verdienter Sieg wohl eher, so waren wir uns nach dem Spiel in der Kurve einig.

Meine Lieblingsbesetzung in der Innenverteidigung, Manuel Friedrich und Ömer Toprak, spielte eine starke erste Halbzeit und ich sah mich erneut in meiner Präferenz dieser Aufstellung bestätigt. Kurz vor der Halbzeit verhinderte Friedrich noch eine hundertprozentige von Gomez, von dem sonst eher wenig zu sehen war. Umso unverständlicher, dass Friedrich zur zweiten Halbzeit ausgewechselt wurde, auch wenn aufgrund der Einwechslung Derdiyoks ersichtlich war, dass Dutt sein System offensiv umstellen wollte und dafür nun mal ein Defensivspieler geopfert werden musste.

Was mich jedoch ärgert ist dieses nachträgliche Schönreden, gerade beim Reizthema Auswechslungen. Wenn Eren Derdiyok erst zur zweiten Halbzeit eingewechselt wird, dann aber das 1:0 vorbereitet (zugegeben auf sehr ansehnliche Weise und mit viel Kampfgeist), heißt es wieder: „Robin Dutt hat alles richtig gemacht“. Nein. Dutt hätte Derdiyok von Anfang an bringen können, neben Kießling, von mir aus auch allein als einzige Spitze. Dann wäre das 1:0 vielleicht schon in der ersten Halbzeit gefallen. Aber das ist jetzt nur Spekulation und außerdem möchte ich nicht unverschämt werden. Ich war sehr glücklich, als es mit 0:0 in die Halbzeit ging. Dennoch bleibe ich bei dem, was ich seit Wochen sage: Ich verstehe nicht, wieso Dutt Kießling gegenüber Derdiyok den Vorzug gibt.

Man kann argumentieren, dass Derdiyok ein anderer Spieltyp ist als Stefan Kießling, einer, der weniger läuft, weniger um den Ball kämpft, sondern wartet bis er angespielt wird, um dann zu vollstrecken. Es entsteht zuweilen der Eindruck, als strenge Derdiyok sich nur an, wenn er sich sicher ist, dass die Kameras das auch wirklich alles einfangen, ansonsten bleibt er stehen und lässt die anderen laufen. Er genießt die Aufmerksamkeit, die ihm Tore wie sein Fallrückzieher gegen Wolfsburg bescheren, und auch gestern gegen die Bayern musste er akrobatisch den Ball von der Linie zurück ins Spiel befördern, damit Kießling aus nächster Nähe den Ball zum 1:0 ins Tor befördern konnte. Versteht mich nicht falsch, ich bin Derdiyok-Fan, aber er ist so ein bisschen das personifizierte “Hackentricks im Strafraum bei 2:0 Rückstand”. Wenn’s scheiße läuft, wie es in dieser Saison lange der Fall war, kann man sich schön spielen nicht erlauben. Und wenn man gerade erst wieder im Aufbau ist, auch noch nicht.

Ob und inwieweit Manuel Neuer die beiden Tore verschuldet hat, kann ich nicht sagen. Ich stelle immer wieder fest, dass ich bei unseren wichtigen Spielen einen regelrechten Tunnelblick entwickele und mich ausschließlich auf unsere eigenen Spieler und den Ball konzentriere. Ich schaue mir die Räume um unsere Spieler herum an und versuche mir mögliche Laufwege auszugucken, was beispielsweise beim Barcelona-Spiel dazu geführt hat, dass ich nach Abpfiff tatsächlich nichts zum Gegner hätte sagen können. Ich habe nicht eine der Weltklasse-Aktionen von Messi wahrgenommen, von denen hinterher jeder geschwärmt hat. Ein bisschen bedauerlich ist das natürlich schon, aber man ist ja nicht zum Vergnügen im Stadion, nicht wahr?

Wobei, manchmal schon. Gestern war so ein Tag. Gestern war mehr als nur Vergnügen. Gestern hab ich wieder das alte Leverkusen gesehen. Mein Leverkusen, das ich so liebe, und in das ich mich gestern wieder neu verliebt habe. Ich bin so stolz auf meinen Verein, und ich hatte vergessen, wie schön es ist mit diesem Gefühl – berauscht – das Stadion zu verlassen.

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