Leverkusen ist mal wieder im Mittelpunkt des allgemeinen Fußballinteresses. Seit Robin Dutt seinen überzeugenden Drei-Minuten-Monolog auf der Pressekonferenz hielt, wird mit ihm, dem Verein und seinen Spielern abgerechnet. Es wird viel geschrieben. Mal gutes, mal interessantes, mal belangloses. Ich könnte meine Senftube nun auch noch ausdrücken, aber das mache ich das ganze Jahr über schon. Ich nehme diese geballte Medienresonanz einfach mal zum Anlass, um Geschriebenes zu verlinken, Kommentare abzugeben und sich etwas zurückzulehnen.
Wichtig: Da auch dieser Liveblog wieder schwer improvisiert ist, müsst ihr selbst euren Browser aktualisieren, um die neusten Updates zu sehen. Die Auswahl der zitierten oder verlinkten Texte ist keinesfalls vollständig und soll es auch überhaupt nicht sein.
[15:46] Das soll es dann auch gewesen sein. Gestern die Entlassung, heute das deutschlandweite Nachtreten und morgen das erste Training unter Hyypiä und Lewandowski. Ich wünsche dem neuen Trainerduo nur das Beste und hoffe, dass bald wieder etwas Ruhe einkehrt.
[15:20] Spielverlagerung.de schreibt heute, dass die Beziehung Dutt-Bayer schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt war. Mit dem Wechsel von Heynckes auf Dutt änderten die Verantwortlichen zwar die Spielphilosophie, ein dementsprechender Wechsel des Spielermaterials blieb aber aus.
Somit waren Spieler, die von Bayer sehr gut bezahlt wurden und jahrelang ihren Job erfüllt hatten, unter Dutt nicht mehr so sehr gefragt, was natürlich für einige Unzufriedenheit unter diesen Spielern führte, worin viele die Ursache von Dutts „Erfolglosigkeit“ sehen. [...] Diese Ablehnung gegenüber neuen Ideen ist wahrscheinlich damit zu begründen, dass diese für die Wortführer langfristig das Ende in Leverkusen bedeutet hätten, und man zudem nicht mit den langwierigen Fehleranalysen Dutts klarkam, die es in dem Maße unter Heynckes nicht gegeben hatte.
und:
Unter Heynckes war Leverkusen eine disziplinierte, kompakte Mannschaft mit viel Geduld im Aufbauspiel, die sich auf die Klasse einzelner Akteure verließ und viele knappe Siege einfuhr. [...] Kurzum, man spielte eine den körperlichen und spielerischen Möglichkeiten des Kaders angemessene Taktik.
Robin Dutt dagegen hatte einen anderen Ansatz für Bayer, und versuchte vom ersten Tag an das Team auf Ballbesitzfußball und Kombinationsspiel umzustellen. Was dabei wohl nicht thematisiert wurde zwischen Trainer und Verantwortlichen, war das Problem, dass Dutt noch immer mit dem beinahe identischen Kader, der eine komplett andere Spielweise gewöhnt war, arbeiten musste.
Die Analyse ist treffend und richtig, schiebt die Schuld bei der angegebenen Argumentation meiner Meinung nach zu weit von Robin Dutt weg. Völler hatte einmal durchblitzen lassen, dass das Transferbudget zwar keine großen Verpflichtungen (Vidal-Ersatz etc.) zuließe, aber noch etwas im Topf sei. Dutt hingegen forderte nur die feste Verpflichtung von Bernd Leno und stellte sonst keine großen Ansprüche.
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[14:55] Richard Leipold ist auf faz.net der Meinung, dass der Stolperstein der etwas schön geredete Blick auf eigentlich offensichtliche Probleme war.
Das Management hatte sich lange gegen diesen Schritt gesträubt, obwohl Dutt nie richtig in Leverkusen angekommen ist. Der Trainer machte sich früh Gegner, ließ sich auf einen Streit mit Michael Ballack und auch Kapitän Simon Rolfes ein, auf Machtkämpfe, die sich auf Dauer nur gewinnen lassen, falls man Erfolg hat. Im Laufe der Saison traten immer wieder Zeichen des Misserfolges zutage. Wenn Dutt in der öffentlichen Wahrnehmung „auf der Kippe“ stand, halfen ihm gute Spiele
Gleichzeitig deutet der Autor einen zentralen Satz von Wolfgang Holzhäuser (“Es ist mir noch nie so schwer gefallen, einem Trainer zu sagen, dass wir ihn freistellen müssen. Die ganze Aktion trifft mich menschlich sehr.”) als ein Eingeständnis der eigenen Arbeit:
Die Vorgesetzten hat das in der Hoffnung gestärkt, nach langem Suchen vielleicht doch den Trainer gefunden zu haben, der Bayer zu sportlichem Glanz verhilft und den Klub aus der dauerhaften Diskrepanz zwischen Aufwand und (sportlichem) Ertrag befreit. Holzhäuser war es mehr als unangenehm, Dutt erklären zu müssen, was sich schon länger abgezeichnet hatte.
Lesen.
[13:01] Thorsten Wieland empfahl mir einen Artikel von derwesten.de. Dort geht man besonders mit Völler hart ins Gericht:
bei Rudi Völler verhindern wohl nur seine immense Popularität und die Tatsache, dass er das einzige unverwechselbare Leverkusener Gesicht ist, die Diskussion darüber, ob er als Sportdirektor mit Leverkusen wirklich erreicht hat, was drin war.
Viel ist Völler und Wolfgang Holzhäuser dann auch zu Dutts Entlassung öffentlich nicht eingefallen. Ein Wort der Vereinsbosse zur eigenen Verantwortung? Oder darüber, wie schäbig sich große Teile der Anhänger am Samstag dem Trainer gegenüber mit ihren Sprechchören verhalten haben? Leider komplette Fehlanzeige.
Größe hat an diesem Tag nur der ungeliebte Trainer bewiesen.
Quelle
Ganz so einfach ist das dann aber auch nicht. Holzhäuser zeigte sich durchaus selbstkritisch, besonders bei der Kommunikation bestimmter Thematiken. Und Rudi Völler lenkte sofort ein, dass die Spieler nun kein Alibi mehr hätten und deutete damit erneut an, dass im Sommer der Kader ordentlich aufgeräumt werden könnte. Das ist indirekt ein Zugeständnis. Ein echtes Bekenntnis wird man aber von einem wie Völler nicht hören. Es braucht schließlich noch wenigstens einen starken Mann im Verein.
[12:50] Spox.com würdigt Sami Hyypiä als “Mutter aller Interimslösungen”, vergisst dabei aber im Gegensatz zu vielen Kollegen nicht, dass Partner Lewandowski alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist:
Im Gegensatz zu Hyypiä war Lewandowski keine illustre Profi-Karriere vergönnt, dafür gehört er seit mehreren Jahren zu den besten Jugendtrainern Deutschland. 2007 wechselte er von Bochum zur U 19 von Bayer und weist seitdem einen imposanten Schnitt von 2,2 Punkten pro Spiel auf. In den ersten vier Saisons lag Leverkusens A-Jugend in der Abschlusstabelle der Bundesliga West nie schlechter als auf Rang drei, zweimal zog sie sogar in das Endspiel der deutschen Meisterschaft ein.
Dazu werden noch eine Namen zur Nachfolge in den Topf geworfen. Rutten, Schuster, Doll, Wörns (ja, der Wörns), Tuchel, Hecking und noch ein paar mehr. Treffender wird es dafür wieder am Ende der insgesamt fünf Seiten:
Es war nur ein Nebensatz bei Robins Dutts Abschiedspressekonferenz. Doch es war ein Nebensatz, der aufhorchen ließ. Explizit bedankte sich der Ex-Trainer bei den “jungen Spielern” im Kader, “die die Stange gehalten und Gas gegeben haben”.
Die Aussage dient als weiterer Beleg für das Offensichtliche: Leverkusens Mannschaft ist in zwei Lager gespalten. Hier die Talente, dort die Erfahrenen.
Ruhig mal durchblättern.
[12:22] Die Printausgabe der Stuttgarter Zeitung titelt “Die Bayer-Spieler verlieren ihr Alibi”. Daniel Theweleit nimmt darunter Robin Dutt in Schutz und zeigt Verständnis. Eher geht es ihm um die Vereinsführung an. Mal subtiler:
“Wir mussten diesen Schritt gehen, weil das Minimalziel, die Qualifikation für die Europa League, in Gefahr ist”, sagte Holzhäuser, und daher sei es unerlässlich, die Grundstimmung zu verbessern. In den vergangenen Wochen habe es eine “relativ hohe Kündigungsrate im Dauerkartenbereich” gegeben. Bayer hat Angst, dass die Leute sich abwenden.
Mal deutlicher:
Die Leverkusener Chefs haben auch ihren Anteil an der Entwicklung. Sie haben Dutt ein Team mit dem Problemfall Michael Ballack übergeben, zu hohe Erwartungen geschürt, die Qualität der Abwehrspieler überschätzt und dem Trainer den Auftrag erteilt, die Spieler aus ihrer Bequemlichkeit herauszuholen.
War Robin Dutt also zum Scheitern verurteilt? Diese Meinung haben zumindest viele Fans und Beobachter.
[11:56] Andreas Burkert schildert die Situation um Robin Dutt ohne groß zu urteilen, dafür aber mit viel Fingerspitzengefühl.
Dann stand Dutt auf, er hatte seinen Schlüsselbund in der Hand und verließ den Saal durch eine Seitentür zum Aufzug. Zurück blieben Rudi Völler, Wolfgang Holzhäuser und die Tür. Durch diese trat eine Minute später der Nachfolger herein: Sami Hyypiä, der neue Teamchef.
Es menschelte also am Ende dieser komplizierten Beziehung ein wenig. Und doch bleibt nach dem wohl nur interimistischen Wechsel auf Hyypiä, den früheren Bayer-04-Innenverteidiger und aktuellen Co-Trainer der finnischen Nationalelf, das Bild eines heillos zerrütteten Verhältnisses zurück. Gegen seine Freiburger Freunde verlor Dutt, das realisierte er selbst, endgültig den Zugang zum Team, zu dessen Spiel und dem Publikum.
Lesen.
[11:23] Stefan Klüttermann, der Bayer Leverkusen das ganze Jahr über begleitet und Situationen stets gut einzuschätzen vermag, rechnet auf RP-Online ab:
Dutt sagte zwar, man habe ihn auf mündige Spieler vorbereitet, allein die Handhabe der Rolfes’, Ballacks und Balitschs gelang ihm nicht. Die Mannschaft, die Heynckes regelrecht geliebt hatte, begegnete Dutt mit Skepsis – mal mehr, mal weniger offensichtlich. Die unzähligen Interna, die im Verlauf der Hinrunde aus dem Team in die Medien gelangten, zeichneten das Bild einer Zusammenarbeit, in der so ziemlich alles im Argen lag. Dies zu leugnen, war nur ein Reflex der Beteiligten. Einer ohne Überzeugung.
Bei Klüttermann ist die direkte Kritik an Dutt auch einen indirekte Kritik an der Vereinsführung. Die haben gewusst, wen sie mit Dutt verpflichten und welches Bild sie nach der Verpflichtung nach außen abgaben. Lesen!
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