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Bayer 04

Schmucklos

Ein 3:1 gegen Kaiserslautern ist natürlich okay. Meine Freude darüber hält sich in Grenzen. Das Spiel war nicht wirklich berauschend und erinnerte an zwei Boxer, die ohne Deckung gegeneinander antreten. Jeder darf einmal auf den anderen draufhauen so fest er kann und wer zuerst umfällt, hat verloren. Am Ende hatten wir das größere Stehvermögen. Von der größeren Disziplin und Struktur, von der unser Kapitän neuerdings so gerne spricht, habe ich – vor allem in Halbzeit eins – (noch) nicht so viel gesehen.

In den Medien genießt das neue Trainer-Duo trotz der durchwachsenen Leistungen Kredit, was wohl vor allem daran liegt, dass es für diese Konstellation noch keine Schublade (Konzepttrainer, Feuerwehrmann, Motivations-Guru) gibt und an die beiden auch keinerlei Erwartungen gesteckt werden. Sogar einen Weltklassespieler wie Michael Ballack dürfen Hyypiä und Lewandowski unter dem Hinweis auf altersbedingte längere Regeneration draußen lassen, ohne dass dies als despektierlich ausgelegt wird. Hurra!

Von der sichtbar gestiegenen Einsatzbereitschaft unseres Kapitäns Simon Rolfes darf jeder halten, was er will. Seine Einsatzbereitschaft vor TV-Mikrofonen ist ebenfalls sichtbar gestiegen. Stil kann man halt nicht lernen. Den hat man, oder nicht.

Die Saison trudelt aus. Viel wird bei uns wohl nicht mehr passieren. Mir persönlich geht ja die EL-Qualifikation am Allerwertesten vorbei. Der Frust darüber, wie dämlich die erneute CL-Quali hergeschenkt wurde, sitzt dafür zu tief. Das einzig Interessante in den letzten Spieltagen wird sein, wie sich junge Spieler wie Ortega oder Oczipka oder Yesil machen, wenn sie von den Trainern Minuten bekommen. Renato Augustos gerissene Muskelfaser könnte ja den einen oder anderen aufs Feld spülen.

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Gleich geblieben und doch ganz anders

Als sich nach dem Spiel in Hamburg Sascha Lewandowski auf seinen Stuhl im Presseraum setzte und das Wort an sich nahm, ruhig, sachlich und irgendwie glaubwürdig davon sprach, dass die Mannschaft in der ersten Halbzeit das Spiel gut annahm, dann verdient ausglich, aber am Ende mit dem einen Punkt sehr zufrieden sein kann, versprühte das eine Bodenständigkeit, die Bayer Leverkusen einerseits verlor, aber andererseits in dieser und vielleicht auch in der letzten Saison nie wirklich erreichte.

Sascha Lewandowski sprach von Kampfbereitschaft, Power und Wille. Mit einer ruhigen Stimme, ohne Überheblichkeit, ohne belehrenden Unterton, ohne irgendwelche Positionen zwischen ihm und den Zuhörer abzustecken. Keine tiefergehenden Erklärung, keine Versprechungen für die Zukunft, sondern eine einfache Schilderung des Zustandes seines Teams während den 90 Minuten gegen den Hamburger SV.

Und das waren trostlose, fast arme 90 Minuten. Von beiden Mannschaften. Der HSV traf durch einen Elfmeter, Leverkusens Ausgleich war ein Zufallsprodukt nach einer Ecke. Bei einem keinesfalls großartig, sondern eher solide aufspielenden Renato Augusto kommen 96% der Pässe an und gleichzeitig gewinnt er über 70% seiner Zweikämpfe. Die Hamburger Gegenwehr war gering bis nicht vorhanden. Dass dann über 90 Minuten maximal eine Handvoll ernstzunehmender Chancen entstehen, offenbart den Zustand der Offensivabteilung. Das fängt in der Abwehr mit faden, ohne Mumm gespielten Pässen an und hört vorne, sollte jemand zum Sprint ansetzen, bei unkoordinierten Laufwegen auf.

Doch Trainer Lewandowski scheint trotzdem nicht unzufrieden zu sein. Weil er vielleicht die Mannschaft in einer Verfassung übernahm, die nicht mehr zulässt und weil er vielleicht ein bodenständiger Realist ist. Es ist ihm vielleicht auch klar, dass sein Vorgänger Robin Dutt nicht das Problem war, sondern nur daran scheiterte. Dementsprechend sinnig erscheinen die Entscheidungen, die das neue Trainerduo vor dem Spiel beschlossen.

Stefan Reinartz bekam seine Position als helfender Saubermann vor der Viererkette wieder, ein Kniff, den Dutt damals erfolgreich installierte, aus unerfindlichen Gründen aber wieder davon abkam. Vorne blieb es beim ewig ackernden Stefan Kießling, der von Schürrle und Renato Augusto beflügelt werden sollte. In der Abwehr tat sich mit Castro, Toprak, Friedrich und Kadlec das verletzungsbedingte Notaufgebot auf. Einzig im zentralen Mittelfeld gab es die schon fast angekündigte Überraschung: Michael Ballack stand in der Startelf. Ob er nun wieder durfte, wollte oder es ein Zufallsprodukt war, bleibt vorerst ungeklärt.

Es war das gleiche Bayer Leverkusen wie unter Dutt, sowohl auf dem Papier wie auf dem Platz. Das soll keinesfalls eine böswillige Unterstellung sein, das neue Trainerduo kann in dieser kurzen Zeit zu wenig bewirken und gleichzeitig wäre es arg fahrlässig, so kurz vor Ende alles halbwegs Einstudierte über den Haufen zu werfen. Einzig der Kapitän Simon Rolfes schien aktiv, lauffreudig und willensstark wie selten. Doch unterstellen möchte ich da natürlich auch keinesfalls etwas.

In zwei Tagen, am Mittwoch, kommt der nächste Abstiegskandidat aus Kaiserslautern in die BayArena. Vielleicht sieht dann die Fußballwelt schon wieder anders aus. Doch falls nicht, fänd ich dies nicht einmal sonderlich schlimm. Irgendwie gefällt mir das neue, bodenständige Leverkusen um Hyypiä und Lewandowski, wo Probleme nicht ständig rauf und runter thematisiert werden. Es ist eine gewisse Ruhe eingekehrt und das tut mir ganz persönlich, als Fan und ständiger Beobachter, gerade richtig gut. Da ist ein Unentschieden auch einfach mal ein Unentschieden und kein Forderung nach Änderungen in der Personal- oder Vereinsstruktur.

 

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Statistiken, die die Welt nicht braucht

Heute:

Grundlage:

Tabellenplatz des Gegners Spiele Punkte Punkte pro Spiel
1 15 13 0,87
2 18 21 1,17
3 14 16 1,14
4 14 21 1,50
5 20 30 1,50
6 14 21 1,50
7 12 20 1,67
8 16 27 1,69
9 21 45 2,14
10 18 26 1,44
11 7 13 1,86
12 18 22 1,22
13 18 32 1,78
14 16 27 1,69
15 13 22 1,69
16 24 56 2,33
17 18 33 1,83
18 15 30 2,00

 

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Liveblog: Der Tag danach

Leverkusen ist mal wieder im Mittelpunkt des allgemeinen Fußballinteresses. Seit Robin Dutt seinen überzeugenden Drei-Minuten-Monolog auf der Pressekonferenz hielt, wird mit ihm, dem Verein und seinen Spielern abgerechnet. Es wird viel geschrieben. Mal gutes, mal interessantes, mal belangloses. Ich könnte meine Senftube nun auch noch ausdrücken, aber das mache ich das ganze Jahr über schon. Ich nehme diese geballte Medienresonanz einfach mal zum Anlass, um Geschriebenes zu verlinken, Kommentare abzugeben und sich etwas zurückzulehnen.

Wichtig: Da auch dieser Liveblog wieder schwer improvisiert ist, müsst ihr selbst euren Browser aktualisieren, um die neusten Updates zu sehen. Die Auswahl der zitierten oder verlinkten Texte ist keinesfalls vollständig und soll es auch überhaupt nicht sein.

[15:46] Das soll es dann auch gewesen sein. Gestern die Entlassung, heute das deutschlandweite Nachtreten und morgen das erste Training unter Hyypiä und Lewandowski. Ich wünsche dem neuen Trainerduo nur das Beste und hoffe, dass bald wieder etwas Ruhe einkehrt.

[15:20] Spielverlagerung.de schreibt heute, dass die Beziehung Dutt-Bayer schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt war. Mit dem Wechsel von Heynckes auf Dutt änderten die Verantwortlichen zwar die Spielphilosophie, ein dementsprechender Wechsel des Spielermaterials blieb aber aus.

Somit waren Spieler, die von Bayer sehr gut bezahlt wurden und jahrelang ihren Job erfüllt hatten, unter Dutt nicht mehr so sehr gefragt, was natürlich für einige Unzufriedenheit unter diesen Spielern führte, worin viele die Ursache von Dutts „Erfolglosigkeit“ sehen. [...] Diese Ablehnung gegenüber neuen Ideen ist wahrscheinlich damit zu begründen, dass diese für die Wortführer langfristig das Ende in Leverkusen bedeutet hätten, und man zudem nicht mit den langwierigen Fehleranalysen Dutts klarkam, die es in dem Maße unter Heynckes nicht gegeben hatte.

und:

Unter Heynckes war Leverkusen eine disziplinierte, kompakte Mannschaft mit viel Geduld im Aufbauspiel, die sich auf die Klasse einzelner Akteure verließ und viele knappe Siege einfuhr. [...] Kurzum, man spielte eine den körperlichen und spielerischen Möglichkeiten des Kaders angemessene Taktik.

Robin Dutt dagegen hatte einen anderen Ansatz für Bayer, und versuchte vom ersten Tag an das Team auf Ballbesitzfußball und Kombinationsspiel umzustellen. Was dabei wohl nicht thematisiert wurde zwischen Trainer und Verantwortlichen, war das Problem, dass Dutt noch immer mit dem beinahe identischen Kader, der eine komplett andere Spielweise gewöhnt war, arbeiten musste.

Die Analyse ist treffend und richtig, schiebt die Schuld bei der angegebenen Argumentation meiner Meinung nach zu weit von Robin Dutt weg. Völler hatte einmal durchblitzen lassen, dass das Transferbudget zwar keine großen Verpflichtungen (Vidal-Ersatz etc.) zuließe, aber noch etwas im Topf sei. Dutt hingegen forderte nur die feste Verpflichtung von Bernd Leno und stellte sonst keine großen Ansprüche.

Lesen!

[14:55] Richard Leipold ist auf faz.net der Meinung, dass der Stolperstein der etwas schön geredete Blick auf eigentlich offensichtliche Probleme war.

Das Management hatte sich lange gegen diesen Schritt gesträubt, obwohl Dutt nie richtig in Leverkusen angekommen ist. Der Trainer machte sich früh Gegner, ließ sich auf einen Streit mit Michael Ballack und auch Kapitän Simon Rolfes ein, auf Machtkämpfe, die sich auf Dauer nur gewinnen lassen, falls man Erfolg hat. Im Laufe der Saison traten immer wieder Zeichen des Misserfolges zutage. Wenn Dutt in der öffentlichen Wahrnehmung „auf der Kippe“ stand, halfen ihm gute Spiele

Gleichzeitig deutet der Autor einen zentralen Satz von Wolfgang Holzhäuser (“Es ist mir noch nie so schwer gefallen, einem Trainer zu sagen, dass wir ihn freistellen müssen. Die ganze Aktion trifft mich menschlich sehr.”) als ein Eingeständnis der eigenen Arbeit:

Die Vorgesetzten hat das in der Hoffnung gestärkt, nach langem Suchen vielleicht doch den Trainer gefunden zu haben, der Bayer zu sportlichem Glanz verhilft und den Klub aus der dauerhaften Diskrepanz zwischen Aufwand und (sportlichem) Ertrag befreit. Holzhäuser war es mehr als unangenehm, Dutt erklären zu müssen, was sich schon länger abgezeichnet hatte.

Lesen.

[13:01] Thorsten Wieland empfahl mir einen Artikel von derwesten.de. Dort geht man besonders mit Völler hart ins Gericht:

bei Rudi Völler verhindern wohl nur seine immense Popularität und die Tatsache, dass er das einzige unverwechselbare Leverkusener Gesicht ist, die Diskussion darüber, ob er als Sportdirektor mit Leverkusen wirklich erreicht hat, was drin war.

Viel ist Völler und Wolfgang Holzhäuser dann auch zu Dutts Entlassung öffentlich nicht eingefallen. Ein Wort der Vereinsbosse zur eigenen Verantwortung? Oder darüber, wie schäbig sich große Teile der Anhänger am Samstag dem Trainer gegenüber mit ihren Sprechchören verhalten haben? Leider komplette Fehlanzeige.

Größe hat an diesem Tag nur der ungeliebte Trainer bewiesen.

Quelle

Ganz so einfach ist das dann aber auch nicht. Holzhäuser zeigte sich durchaus selbstkritisch, besonders bei der Kommunikation bestimmter Thematiken. Und Rudi Völler lenkte sofort ein, dass die Spieler nun kein Alibi mehr hätten und deutete damit erneut an, dass im Sommer der Kader ordentlich aufgeräumt werden könnte. Das ist indirekt ein Zugeständnis. Ein echtes Bekenntnis wird man aber von einem wie Völler nicht hören. Es braucht schließlich noch wenigstens einen starken Mann im Verein.

[12:50] Spox.com würdigt Sami Hyypiä als “Mutter aller Interimslösungen”, vergisst dabei aber im Gegensatz zu vielen Kollegen nicht, dass Partner Lewandowski alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist:

Im Gegensatz zu Hyypiä war Lewandowski keine illustre Profi-Karriere vergönnt, dafür gehört er seit mehreren Jahren zu den besten Jugendtrainern Deutschland. 2007 wechselte er von Bochum zur U 19 von Bayer und weist seitdem einen imposanten Schnitt von 2,2 Punkten pro Spiel auf. In den ersten vier Saisons lag Leverkusens A-Jugend in der Abschlusstabelle der Bundesliga West nie schlechter als auf Rang drei, zweimal zog sie sogar in das Endspiel der deutschen Meisterschaft ein.

Dazu werden noch eine Namen zur Nachfolge in den Topf geworfen. Rutten, Schuster, Doll, Wörns (ja, der Wörns), Tuchel, Hecking und noch ein paar mehr. Treffender wird es dafür wieder am Ende der insgesamt fünf Seiten:

Es war nur ein Nebensatz bei Robins Dutts Abschiedspressekonferenz. Doch es war ein Nebensatz, der aufhorchen ließ. Explizit bedankte sich der Ex-Trainer bei den “jungen Spielern” im Kader, “die die Stange gehalten und Gas gegeben haben”.

Die Aussage dient als weiterer Beleg für das Offensichtliche: Leverkusens Mannschaft ist in zwei Lager gespalten. Hier die Talente, dort die Erfahrenen.

Ruhig mal durchblättern.

 

[12:22] Die Printausgabe der Stuttgarter Zeitung titelt “Die Bayer-Spieler verlieren ihr Alibi”. Daniel Theweleit nimmt darunter Robin Dutt in Schutz und zeigt Verständnis. Eher geht es ihm um die Vereinsführung an. Mal subtiler:

“Wir mussten diesen Schritt gehen, weil das Minimalziel, die Qualifikation für die Europa League, in Gefahr ist”, sagte Holzhäuser, und daher sei es unerlässlich, die Grundstimmung zu verbessern. In den vergangenen Wochen habe es eine “relativ hohe Kündigungsrate im Dauerkartenbereich” gegeben. Bayer hat Angst, dass die Leute sich abwenden.

Mal deutlicher:

Die Leverkusener Chefs haben auch ihren Anteil an der Entwicklung. Sie haben Dutt ein Team mit dem Problemfall Michael Ballack übergeben, zu hohe Erwartungen geschürt, die Qualität der Abwehrspieler überschätzt und dem Trainer den Auftrag erteilt, die Spieler aus ihrer Bequemlichkeit herauszuholen.

War Robin Dutt also zum Scheitern verurteilt? Diese Meinung haben zumindest viele Fans und Beobachter.

[11:56] Andreas Burkert schildert die Situation um Robin Dutt ohne groß zu urteilen, dafür aber mit viel Fingerspitzengefühl.

Dann stand Dutt auf, er hatte seinen Schlüsselbund in der Hand und verließ den Saal durch eine Seitentür zum Aufzug. Zurück blieben Rudi Völler, Wolfgang Holzhäuser und die Tür. Durch diese trat eine Minute später der Nachfolger herein: Sami Hyypiä, der neue Teamchef.

Es menschelte also am Ende dieser komplizierten Beziehung ein wenig. Und doch bleibt nach dem wohl nur interimistischen Wechsel auf Hyypiä, den früheren Bayer-04-Innenverteidiger und aktuellen Co-Trainer der finnischen Nationalelf, das Bild eines heillos zerrütteten Verhältnisses zurück. Gegen seine Freiburger Freunde verlor Dutt, das realisierte er selbst, endgültig den Zugang zum Team, zu dessen Spiel und dem Publikum.

Lesen.

[11:23] Stefan Klüttermann, der Bayer Leverkusen das ganze Jahr über begleitet und Situationen stets gut einzuschätzen vermag, rechnet auf RP-Online ab:

Dutt sagte zwar, man habe ihn auf mündige Spieler vorbereitet, allein die Handhabe der Rolfes’, Ballacks und Balitschs gelang ihm nicht. Die Mannschaft, die Heynckes regelrecht geliebt hatte, begegnete Dutt mit Skepsis – mal mehr, mal weniger offensichtlich. Die unzähligen Interna, die im Verlauf der Hinrunde aus dem Team in die Medien gelangten, zeichneten das Bild einer Zusammenarbeit, in der so ziemlich alles im Argen lag. Dies zu leugnen, war nur ein Reflex der Beteiligten. Einer ohne Überzeugung.

Bei Klüttermann ist die direkte Kritik an Dutt auch einen indirekte Kritik an der Vereinsführung. Die haben gewusst, wen sie mit Dutt verpflichten und welches Bild sie nach der Verpflichtung nach außen abgaben. Lesen!

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Lieber die Nutella auf dem Brot als einen Pokal in der Vitrine

Selten war ich so traurig über meinen Verein, wie heute. Es tut mir leid, aber wie sich die Mannschaft in den letzten Wochen präsentiert hat, ist einfach nur ein peinlich. Im Nachhinein wirkt es so, als habe man sich für das Spiel gegen Barcelona nochmal einspielen wollen und holt drei Siege am Stück, um dann nach der Rückspielklatsche gegen die Katalanen die Saison endgültig abzuschenken und den Trainer wegzumobben.

Fassungslos stand ich beim Spiel gegen Freiburg in der fünften Minute vorm Fernseher. Da passten sich unsere Abwehrspieler bereits drei, viermal die Bälle zu, bedrängt von Freiburgern und ich fragte mich, wann denn jetzt mal endlich einer aus dem Mittelfeld ins Bild gelaufen kommt, um sich als Anspielstation anzubieten, denn wenn der Ball jetzt verloren wird, dann wird es gefährlich. Kam aber keiner gelaufen. Keine Ahnung, was es für die Jungs am Mittelkreis Spannendes zu erledigen gab, aber mit Fußball hatte es nichts zu tun.

Der beste Treppenwitz ist ja der, dass uns ausgerechnet an diesem Spieltag sogar noch der VfB Stuttgart in der Tabelle überholt hat. Der Verein mit dem schönen Bruno auf der Bank. Der bei uns auch auf die Fresse bekommen hat. Die meisten Spieler müssten ihn noch kennen. Sind ja lange genug dabei. Jetzt ist mal wieder ein Trainer weg. Der dritte Trainer in Folge, der wegen atmosphärischen Störungen mit dem Kader geht. Denn Heynckes und das Ballack-Problem sind auch als eine solche zu werten. Und deshalb wird auch nicht alles gut, weil Dutt nun weg ist.

Dutt hat Fehler gemacht. Aber er hat an sich gearbeitet – jedenfalls wirkte es so nach außen. Zumindest hat er seine Fehler öffentlich zugegeben. Was nicht jedem Akteur aus der Mannschaft gelungen ist. Ja, die Mannschaft hatte einen Trainer, der vielleicht kein bequemer Trainer ist. Der die Mannschaft gefordert und in Teilen vielleicht sogar überfordert hat. Aber die Mannschaft hatte ja auch einen Kapitän. Auf Tauchstation. Oder Vizekapitäne. Von denen hat man ebenfalls nichts gehört. Gerade von denen, die seit ewigen Zeiten bei Bayer sind, kam über die gesamte Saison wenig bis nichts.

Klarer Fall. Es gibt einen Riss in dieser Mannschaft. Es gibt die Willigen und es gibt die Bequemen. Diejenigen, die, wenn ihnen der Trainer nicht passt, auf dem Feld die Leistung verweigern. Mobber. Ich bin sicher, dass wenn für die Mehrheit der Mannschaft eine Zusammenarbeit mit Dutt nicht mehr möglich gewesen wäre, es der Mannschaft auch anders gelungen wäre, Völler und Holzhäuser zu überzeugen, aufzuhören.

Der Riss, der durch die Mannschaft geht, denn wird es auch weiterhin geben. Wenn der nächste Trainer den Mobbern nicht passt, werden sie wieder über den Platz traben. Den Ball lässig zum Gegner köpfen. Sich nicht für den Mitspieler den Arsch aufreißen. Sorry, aber von denen, die für Bayer04 spielen, hat keiner was gewonnen. Kein Titel, nichts. Keiner von denen, hat auch nur ansatzweise das Recht für sich irgendwelche Meriten oder Privilegien zu beanspruchen. Weil keiner etwas gewonnen hat. Und wenn ein Spieler sagt: Wir sind aber letzte Saison Vizemeister geworden, dann kann er gleich gehen. Weil eine Vizemeisterschaft zwar nicht schlimm ist. Aber es ist kein Titel. Und deswegen kein Grund sich zurück zu lehnen, zufrieden zu sein oder zu glauben, dass man über Fußball nichts mehr lernen kann. Schon gar nicht von so einem komischen Trainer.

Ich will keine Spieler mehr in meinem Verein, die über zweite Plätze zufrieden sind oder die nicht in der Lage sind, auch mal unbequemere Wege zu gehen. Robin Dutt hat sich heute mit Würde und erhobenen Hauptes verabschiedet. Einige Spieler sollten es ihm gleich tun, aber sie können nicht. Weil sie Probleme lieber aussitzen. Weil sie keine Verantwortung übernehmen. Weil sie ihr Gesicht schon längst verloren haben.

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