bayer04blog

Archive
Bayer 04

Für alle Völleristi

Ein treuer Leser dieses Blogs startete gestern das Tumblr-Blog „Rudi Völler über…“. Wir sprachen ein wenig darüber, ich gab ihm ein paar Tipps und schlussendlich bat er mich, ihn etwas zu promoten. Mache ich als bekennender Völleristi natürlich gerne.

Schaut also ab und zu auf www.rudivoellerueber.tumblr.com und weil die URL so lang ist, solltet ihr am besten gleich den RSS-Feed abonnieren. Ich glaube, das könnte eine ganz nette Sache werden und Rudi Völler ist ja wahrlich niemand, der sich mit starken Meinungen in der Öffentlichkeit zurückhält.

Read More

Mo(nu)mentaufnahme

Fußball kann manchmal so einfach sein. Leverkusen traf am Samstagmittag auf einen auf dem Papier unterlegenen Gegner, trifft in der 25. Minute zum 1:0 und bringt die Führung in die Pause. Nach Wiederanpfiff kommt man etwas schleppend in Fahrt und kassiert den Gegentreffer, doch die Spieler beweisen Geduld, ziehen für 15 oder 20 Minuten das Tempo wieder an, erzielen drei Tore zwischen der 60. und 70. Minute und schicken die Gäste mit einer 4:1-Niederlage nach Hause.

Doch ganz so einfach ist das in und um Leverkusen derzeit nicht. Ein hoher Sieg gegen einen Abstiegskandidaten macht nicht wett, was seit Monaten um Robin Dutt geschieht. Der Trainer gab vor und nach dem Spiel die üblichen Floskeln ab, die sich aber alle um einen zentralen Satz zu drehen scheinen: „Es kommt immer auf die Wahrnehmung an“, sagte Robin Dutt am gestrigen Tage und deutete auf die Partie gegen Barcelona an. Als die Katalanen über 70% Ballbesitz hatten, sprach man von Spielkontrolle. Macht Bayer gegen Augsburg ähnliches, ist das ein Spiel ohne Ideen und ohne Zug zum Tor.

Jenes mit der Wahrnehmung lässt sich beliebig weiterdrehen. André Schürrle sagt nach dem Spiel, dass man natürlich auf dem Feld mitbekomme, was auf den Fanrängen los sei. Pfiffe und Anti-Stimmungsgesänge würden einen sehr wohl beeinflussen und vielleicht auch etwas hemmen. Die negative Bild, dass die Medienwelt inzwischen von Bayer Leverkusen abbildet, tut ihr übriges. Da drängt sich doch eine Frage auf: Bringen äußere Vorkommnisse die Unruhe in den Mannschaftskreis oder sind es, wie seit vielen Wochen von Kritikern propagiert, die Unruhen in der Mannschaft, die nach Außen und auf das Spielfeld dringen. Schaut man aktuell auf die 180 Minuten gegen Barcelona und Augsburg, sah man eine Mannschaft, die ihrem Trainer folgt und von der kolportierten Grüppchenbildung war nichts mehr übrig. Man kann und darf durchaus der Meinung sein, dass es zwischen Dutt und Teilen der Mannschaft in dieser Saison nicht sonderlich gut lief, dass beide Parteien ihre Fehler gemacht haben und Dutt ein Hauptverantwortlicher ist, doch man sollte ebenso anerkennen, dass das Gebilde jetzt zu funktionieren scheint. Nicht unbedingt spielerisch, dort ist weiterhin viel Luft nach oben, aber mannschaftlich. Es steht wieder ein Team auf dem Feld, das gemeinsam am trainervorgegebenen Strang zieht. Negative Stimmung gegen den Trainer, egal ob von der Fankurve oder der Pressetribüne, treibt nur unnötig da einen Keil rein, wo eigentlich kein Platz mehr vorhanden ist.

Keinen Platz mehr könnte es auch bald für Simon Rolfes geben. Es ist zwar deutlich zu früh dafür, ihn vollends abzuschreiben, doch sein Spielertyp ist in Dutts Stück für Stück etabliertem 4-1-4-1-System nicht mehr gefragt. Stefan Reinartz kümmert sich als Mann vor der Abwehrkette inzwischen vorbildlich um die defensive „Drecksarbeit“ und davor agieren vier Mittelfeldspieler, die ein am Ball spielerisches Potential haben, dass man von Rolfes selten bis nie sah. Vom Typ her könnte der ehemalige Nationalspieler am ehesten den Rang von Lars Bender ablaufen, doch am 22-jährigen, und da scheinen sich mal ausnahmsweise alle einig zu sein, gibt es derzeit kein vorbei.

Es gäbe nach diesem Spiel noch viele kleine Dinge zu thematisieren, doch macht das Sinn? Schlussendlich stellt sich in letzter Zeit nach jedem Wochenende die gleiche Frage: War das nun ein Ausrutscher oder zeigt es den wahren Stand, auf dem Bayer Leverkusen derzeit ist? Ist es ein Beleg für die Übergangssaison oder ein ausgestellten Armutszeugnis für Robin Dutt? Sind es Spieler, die nicht mehr können oder nicht mehr wollen? Geht es wirklich nur kurzfristig aufwärts, aber langfristig abwärts?

Wichtig ist, welche Schlüsse das Team daraus zieht und nicht, welche Meinung der Herr XY vertritt, der letztendlich keinen Einfluss hat. Doch sollte mich jemand nach meiner Meinung fragen, so würde ich ihm antworten, dass ich an diesen 90 Minuten so viel Spaß hatte wie schon lange nicht mehr. Da waren wieder Kombinationen, da war wieder eine Spielfreude. Es hat mir schlicht Spaß gemacht, 90 Minuten auf einen grünen Rasen zu schauen und darauf kommt mir es schlussendlich an.

Doch das alles ist, wie schon eingangs gesagt, nur eine Frage der eigenen Wahrnehmung und die sollte man manchmal einfach nicht höher setzen als sie eigentlich ist.

Read More

Rudi Völler über… Rudi Völler (Video, 26min)

Bei der gestrigen Recherche stieß ich auf dieses Videointerview von “Deutsche Welle”, entstanden Mitte November 2011. Rudi Völler äußert sich nicht zu Ballack, er verteidigt nicht Robin Dutt und auch um die Schiedsrichter geht es ihm nicht. Also eigentlich schon, aber vielmehr erfahren wir etwas über sein Leben. Seine fußballerischen Anfänge in Hanau, seine größten Momente, seine wichtigsten Leitfiguren und Vorbilder. Seine unzähligen Spiderman-Comics werden ebenso thematisiert wie seine gesammelten Erfahrungen in einer amerikanischen Kaserne. Das ist erfrischend anders.

Sollte die Einbindung aus welchen Gründen auch immer nicht funktionieren: DIREKTLINK.

Read More

O-Ton (2) – Versprochen ist versprochen!

“Wenn alle Mosaiksteinchen dabei sind, dann wird das eine richtig gute Mannschaft.”

Robin Dutt auf der PK nach dem Spiel gegen Barcelona.

Read More

Who the fuck is Barcelona?

In unserem Block wurde gestern Abend ein etwas merkwürdiger Gesang angestimmt. Er bestand nur aus zwei Zeilen: Who the fuck is Barcelona, mehrfach wiederholt, und Barcelona, we fuck you. Es war lustig und peinlich zugleich, und ich hab nur gehofft, dass es so leise gesungen wird, dass die Barca-Spieler es nicht hören, geschweige denn verstehen.

Auf eine befremdliche Weise lustig waren auch die Pfiffe in den ersten ca. 20 Minuten des Spiels, jedes Mal, wenn Barcelona am Ball war. Besonders die gellenden Pfiffe in Richtung Messi fand ich schlichtweg absurd. Ich bezeichne mich doch auch nicht als Musikliebhaber und pfeife dann auf ‘nem Konzert die Beatles oder Queen oder Johnny Cash aus!

Während einige Verwirrte pfiffen, hatte ich in der Anfangsphase des Spiels das Gefühl nicht atmen zu können, so groß war die Angst zu jeder Sekunde ein Gegentor zu bekommen. Ich hab mich kaum getraut mich zu bewegen, wollte aus Aberglaube aber auch nicht aufhören zu singen und zu supporten. Da man solch eine Anspannung aber nicht über 90 Minuten aushalten kann, sorgt der Körper irgendwann dafür, dass man sich dran gewöhnt und es folglich als weniger schlimm empfindet. Oder Lionel Messi sorgt einfach dafür, dass es 1:0 für Barcelona steht.
Diese Anspannung ist übrigens vergleichbar mit meiner Flugangst und dem Gefühl, das ich habe, wenn ich im Flieger sitze. Nur dass es da nach dem Absturz nicht mehr weitergeht.

Auch wenn ich mir gewünscht hatte, das 0:0 zumindest in die Halbzeit zu retten, lief bis zu diesem Zeitpunkt schon alles besser, als ich zu hoffen gewagt hatte. Dass Barcelona uns in jeder Hinsicht spielerisch und taktisch überlegen sein würde, war doch klar! Meine Mama, ihres Zeichens Leverkusen-Fan, so wie mein Bruder und Vater auch, und ebenfalls gestern Abend im Stadion, hat in ihrer ihr eigenen wundervollen Art das Spiel wie folgt zusammengefasst:

And the game, though the reports are critical, was better than anticipated… I was actually quite scared that Leverkusen would concede early goals and be hopelessly outclassed! But they tried hard, and if they train as hard as they tried, then perhaps they really might get somewhere in a year or two. But they desperately need a striker as reliable as Ulf Kirsten!

Ich habe keinen der vielen Spielberichte gelesen, aber den ein oder anderen Auszug via Twitter aufgeschnappt, und mir drängt sich das Gefühl auf, dass da Menschen über das Spiel schreiben, die das derzeitige Leverkusen gar nicht kennen. Menschen, die vor der gestrigen Partie schon sehr lange keine Bayer-Begegnung gesehen haben. Im Kontext der letzten Wochen und Monate betrachtet, ist Leverkusen gerade gestern nicht „blutleer“ aufgetreten. Es ist richtig, dass wir in der ersten Halbzeit keinen Fußball gespielt, sondern nur blind verteidigt haben, aber während ich diese Zeilen schreibe wird Arsenal gerade 4:0 von Milan vermöbelt. Es hätte auch ganz anders kommen können gestern.

Das Glücksgefühl beim 1:1 war unbeschreiblich. Wir sind über Sitzreihen geklettert und getaumelt (diese blöden Sitzschalen, die die bei der EL und CL immer einbauen, sind nur im Weg!) und ich hab erst hinterher gemerkt, dass mein linker Fuß wehtat, ohne zu wissen warum genau. Ich stand plötzlich zwei Reihen höher und 5 Meter weiter links als noch wenige Sekunden zuvor und wusste nicht, wie ich da hingekommen war. Die Gesichtsausdrücke meiner Freunde und der anderen Fans um mich rum gaben mir zu verstehen, dass sie gerade dasselbe fühlen wie ich. Ich dachte wirklich, ich müsse jeden Moment in Tränen ausbrechen.
Es war das heftigste „Fußball-Gefühl“ an das ich mich erinnern kann, noch heftiger als das Glücksgefühl bei Friedrichs 2:1 gegen Chelsea in der 90. Minute des CL-Vorrundenspiels. Ich erinnere mich an einige ähnlich wahnsinnige Champions League Abende, damals vor acht, neun, zehn Jahren, aber da ist eher der unfassbar spannende, dramatische Spielverlauf hängengeblieben, und kein derartiges Gefühl des überschäumenden, aus einem raussprudelnden Glücks.

Und das ist, was ich aus diesem Spiel mitnehme. Keine Trikottauschaktionen, ob peinlich oder nicht; nicht, dass wir schlecht gespielt haben; noch nicht mal, dass wir verloren haben. Nur das Gefühl bei Kadlecs Tor, die Sekunden unmittelbar danach, und die drei Minuten bis zu Sánchez‘ 1:2.

Read More