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Ein wenig überzeugender 11:1-Sieg.

Zur Analyse des heutigen Pokalspiels tut man gut daran, die zwei Halbzeiten getrennt voreinander zu betrachen.

Die erste Halbzeit

In der Startaufstellung gab es wenig überraschendes, nur Sidney Sam ersetzte Barnetta, der nach seiner Zehenprellung noch geschont wurde. Das Problem des in Leverkusen bestens bekannten 4-4-2 System ist der leere Raum (blaue Kasten) um die gegnerische „Doppelsechs“, da diese sich voll auf die Außenspielern oder die Stürmer konzentrieren können. Deswegen gab es heute grundsätzlich drei verschiedene Angriffsarten bei uns zu beobachten. Die erste Version ist auch zugleich die „langsamste“, weil sich Kießling zurück fallen lässt und die Bälle selbst aus dem Mittelfeld holt. Das kam eher seltener vor, hat Kieß doch seine wahre Stärken vor dem Tor. Die zweite Version (gelber Pfeil) ist, dass Vidal mit nach vorne dringt und Reinartz hinten absichert. Problem war hier oft, dass Sidney Sam viel zu früh nach vorne durchstartete und somit nicht mehr direkt, sondern nur noch steil angespielt werden konnte. Vidal (oder Reinartz) sah demnach nur noch die Stürmer und Renato als mögliche Anspielstation. Am besten funktioniert hat heute Version Nr. 3 (schwarze Pfeile): Renato zieht hinter die Spitzen und Schwaab rückt bis in Mittelfeld auf. Castro blieb heute auffällig oft hinten. Etwas eigenartig, hatte Heynckes ihn doch auf links versetzt, da er dort seinen Offensivdrang besser ausleben könne.

So funktionierte das Leverkusener Spiel heute in der Theorie, die taktische Umsetzung gelang auch, aber spielerisch war das schon eher dürftig in Halbzeit Eins. Allen voran Manuel Friedrich. Immer wieder Stellungsfehler und passieren diese, ist er stets zu langsam um sie wieder auszubügeln. Auch Sidney Sam bewarb sich nicht gerade für einen Stammplatz. Wie oben angesprochen fehlte seine Anbindung zum Spiel, er war selten beteiligt oder überhaupt anspielbar. Lichtblicke waren Stefan Kießling, der (im Gegensatz zu Helmes) viel lief und somit die Bälle forderte, sowie Renato Augusto, der auf seiner Seite richtig Dampf machte, sich als Teilzeit-Zehner gab, aber oft ein Tick zu eigensinnig war.

Kurios: Unsere Standards waren mehr als schlecht. Nie entstand wirkliche Gefahr wie in der letzten Saison. Umso merkwürdiger, dass das 1:0 nach einem mit viel Effet getretenen Freistoß von Renato Augusto fiel. Da funktionierte aber auch die Abseitsfalle der Gastgeber nicht, die jedoch in den ersten 45 Minuten eine wirklich sehr ansehnliche Leistung ablieferten. Sie waren sehr gut sortiert, nutzten die Lücken aus und schalteten immer wieder gefährliche Angriffe Richtung Adler. Das hätte die Bayerelf mit mehr Entschlossenheit und Bewegung im Spiel verhindern können. Zumal wir hier von einem Fünftligisten sprechen!

Die zweite Halbzeit

Es gab in der Pause gleich einen Wechsel. Hyypiä musste vom Platz, er hat sich anscheinend das Knie verdreht. Wie schlimm die Verletzung ist, ist derzeit noch nicht bekannt. Für ihn kam Bender und Reinartz rutschte in die Innenverteidigung. Dann folgten zehn Tore, darunter drei von Helmes sowie sehr gut platzierte und dosierte Pässe von Renato, der sich damit zum besten Spieler des Spiels machte. Viel mehr lässt sich nicht dazu sagen, da die gegnerische Defensive keine Gegenwehr mehr bot und so auch der in der ersten Halbzeit schwache Sam zu seinen zwei Toren kam; allerdings deswegen, da er sich nicht stur nach vorne verabschiedete, sondern als Anspielstation die Bälle forderte. Heynckes wird ihm das in der Halbzeit mit auf den Weg gegeben haben.


Patrick Helmes: “Die zweite Halbzeit war ordnungsgemäß.”


Zum Schluss noch die Erwartungskurve, die eines zeigt: Ergebnis und Realität liegen doch ziemlich weit auseinander: Die Spieler lieferten insgesamt eine durchschnittliche Leistung ab und ob es am Ende nun 3:1 oder 11:1 stand, lag nicht an uns, sondern am Gegner.


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10 Kommentare
  1. Das ist aber eine sehr gute Analyse. Ich habe jetzt auch einen Bayer 04 Blog am Start für die internationalen Fans der Werkself, und wollte mal fragen, wie erstellst du diese Taktik Grafiken, gibt es dafür ein besonderes Programm?

    Danke und weiter so!!

  2. Ich benutze derzeit eine alte und abgespeckte Version von Adobe Photoshop. Ich bin absolut kein Experte in solchen Sachen, aber für solch einfache Taktikgrafiken reicht mein Können und das Programm noch aus.

  3. Also abgesehen von unserer unterschiedlichen Spieleinschätzung, auf die ich jetzt nicht näher eingehen möchte ;-) : Ich verstehe deine Erwartungskurve leider nicht. Kann natürlich sein, dass sie erst sinnvoll wird, wenn ein paar Spieltage ins Land gezogen sind, aber dennoch.

    Hattest du eine Erwartung von 4? Und herausgekommen ist nur eine 1? Ist eine 4 gut oder eher mittelmäßig? Oder sieht auch die 4 nur deswegen so mittelmäßig aus, weil wir jetzt zufällig 11 Tore geschossen haben und die Skala deswegen so hoch hinaus musste?

    Und, um den Besserwisser raushängen zu lassen: Das Torverhältnis ist (aus unserer Sicht) eine 11, keine 10. ;-)

  4. 1. Ja, so richtig sinnvoll ist die Erwartungskurve erst in ein paar Wochen, wenn wir 10, 12 Spiele auf dem Buckel haben.

    2. Eine Vier sieht deswegen so mittelmäßig aus, weil der Torverhältnisbalken so unglaublich groß ist. Eigentlich sollte der Balken auch nur auf den schnellen Blick zeigen, ob man gewonnen oder verloren hat und wenn ja, wie hoch. Also in welcher Relation (über mehrere Spiele hinaus) die Leistung zum Ergebnis steht.
    Zu den Leistungspunkten allgemein: Ich habe mit Absicht keine Schulnoten verteilt, da ich dort Gefahr laufe, zu früh zu gute/schlechte Noten zu verteilen. Nehmen wir an, ich verteile gegen Dortmund schon lauter 1,-Noten, weil wir sie mit 3:0 und einem richtig guten Spiel vom Platz fegen. Im Laufe der Saison steigern wir uns aber immer weiter und weiter, so dass die Leistung gegen Dortmund letztendlich gar nicht sooo gut war. Das ist hier jetzt natürlich ein extremes Beispiel.
    Die Skala kann natürlich auch ins negative gehen. Deswegen muss man mal in ein paar Wochen schauen, wie stark/gut so ein Punkt ist. Meiner anfänglichen Einschätzung ist eine Null absoluter Bundesligadurchschnitt. Keiner der Spieler ragt heraus mit seiner guten Leistung, keiner fällt ab.
    Wieso es trotz eines 11:1-Sieges nur einen Punkt gab, sollte ich im Beitrag zur Genüge erklärt haben.

    3. Wieso das Torverhältnis eine 11 und keine 10 sein soll, darfst du mir nochmals gerne erklären. Wir haben 11 geschossen, 1 kassiert -> mit +10 Toren gewonnen.

    4. Zur unterschiedlichen Spieleinschätzung: Ich hab gelesen, dass du das Spiel erst ab Minute 35 und dann nur in der Konferenz gesehen hast. Dazu sage ich jetzt mal nichts ;).

  5. Zu 1 und 2:
    Ok, dann bildet sich eine Skalierung der Wertung in den nächsten Wochen selbst heraus. Dann ist es klar, dass das noch nicht weiter aussagekräftig ist. Ich bin dann mal gespannt ;-)

    Zu 3:
    Was du meinst ist die Tordifferenz. Das (offizielle) Torverhältnis wurde in Deutschland Anfang der 70er Jahre (?) abgeschafft ;-)
    Und auch in deiner Erwartungskurve dürftest du spätestens ab dem ersten 1:0 Sieg gestalterisch an deine Grenzen stoßen ;-)

    Zu 4:
    Na, und ich zitiere an dieser Stelle einen meiner Lieblingsphilosophen, Berti Vogts: “Wenn ich über’s Wasser laufe, dann sagen meine Kritiker, nicht mal schwimmen kann der.” :)

  6. Zu 3:
    Vielen Dank, wird geändert. Für mich gab es zwischen Torverhältnis und -differenz keinen Unterschied.
    Aber auch ein 1:0 sollte keine Probleme darstellen. Glaube kaum, dass die Leistungs- und Erwartungswerte so weit steigen, dass man ein 1:0-Balken nicht mehr sehen kann. Und selbst wenn, kann ich für die Ergebnisse ja rechts eine eigene Skalierung einfügen.

  7. Da habe ich mich vielleicht etwas undeutlich ausgedrückt. Ich meinte: Wenn du bei der Bezeichnung Torverhältnis bleiben würdest, würde dir ein 1:0 den Rahmen sprengen, da dieses gleich “Unendlich” wäre (1 geteilt durch 0).

  8. Hattrick says: 17. August 201009:11

    Nochmal zum Spiel: Es war auch schon letzte Saison oft ein Problem, dass wir oft behäbig ins Match gegangen sind und erst langsam aufgedreht haben. Vielleicht sollte Heynckes mal an seinen Enpeitscher-Künsten arbeiten. Ich vermute leider, dass er seine Qualitäten wirklich woanders hat. Es wäre allerdings wünschenswert, wenn das Team auch mal von der ersten Minute an wach ist. Ansonsten sehe ich die Steigerung zum Ende hin doch eher positiv. Muss man auch erstmal hinbekommen.

    Ansonsten eine sehr schöne taktische Analyse.

  9. Da hast du Recht. Es ist mir auch schon aufgefallen, dass es den Jungs extrem schwer fällt, ihre Einstellung während des Spiels zu ändern. Meistens ist es doch so, dass sie die Halbzeitansprache von Heynckes brauchen, um den Schalter umzulegen. Während des Spiels bekommen sie das eher weniger hin. Ich hoffe, das ändert sich mit einem Spieler wie Ballack.

  10. [...] ich hinaus will: Sowas wie das hier, das hier oder jenes von nebenan¹, das bekomm ich nicht hin. Nicht nur, dass ich Spiele nicht selbst so analysieren könnte – [...]

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