Ein erneutes Missverständnis

Nach der deutlichen Niederlage gegen Borussia Dortmund gab es bei Bayer Leverkusen wieder viele enttäuschte Gesichter zu sehen. Eigentlich zu viele, wenn man das Aufeinandertreffen dieser beiden Mannschaften nüchtern betrachtet. Der Grund hierfür ist der Abstand zwischen Wirklichkeit und Anspruch. Dieser gleitet nicht nur stetig auseinander, sondern bewegt sich durch fälschliche Aussagen der Verantwortlichen immer wieder wellenförmig aufeinander zu und wieder ab.

Früher, als man noch regelmäßig in der Champions League gastierte, hatte man die Möglichkeit jeden in der Bundesliga zu schlagen. In jedem Spiel war ein Sieg drin. Diese Zeiten sind zwar längst vorbei, doch vom damaligen Anspruchsdenken kann man sich nicht so recht trennen und das wird der Mannschaft zum Verhängnis. Um diesen Punkt zu verdeutlichen, kann man die Aufsteiger als Beispiel herannehmen. Dort werden Spielsysteme umgestellt, taktische Schwerpunkte ganz neu gesetzt. Es geht nun nicht mehr darum, jeden zu schlagen, sondern gegen jeden zu überleben. Fortuna Düsseldorf gab dafür 13 Spieler ab und holte 18 Neuzugänge, denn Norbert Meier weiß: Führst du den Fußball aus Liga 2 fort, siehst du gegen gestandene Erstligisten keinen Stich. Aus Offensive wird Defensive. Aus dem Schwerpunkt Pressing wird eine gut gestaffelte Grundordnung. Ganz so radikal verläuft es in Leverkusen nicht, doch es verhält sich ähnlich. Das Trainerduo muss etwas Neues aufbauen und ein Umdenken auch innerhalb der Mannschaft etablieren. Erst wenn diese Grundlagen geschaffen sind, kann man wieder angreifen. Bayer Leverkusen ist derzeit nicht in der Lage die Spitzenvereine spielerisch zu schlagen und versuchen sie es doch, geraten sie wie gegen Borussia Dortmund knallhart unter die Räder. Zwischenzeitlich wies man eine Zweikampfquote von unter 40% auf. Und warum? Weil man den Kampf um Platz 5 nicht verinnerlicht hat. Man ist keine Spitzenmannschaft, sondern obere Mittelklasse. Genau so sollte sie dann auch auftreten, doch das tut sie nicht. Sie läuft teilweise weiterhin mit dem Selbstverständnis eines Champions League Dauergastes auf, auch neben dem Platz.

In der Chefetage redet man nämlich wieder von der Champions League und rühmt sich damit, was für tolle Angebote man für Bender und Schürrle bekommen hat. Klubs wie Hannover, Nürnberg und Dortmund haben sich kontinuierlich von unten nach oben gearbeitet. Leverkusen macht zeitweise das Gegenteil und arbeitet sich durch verwirrende Aussagen selbst von oben nach unten. Der Anspruch wird seit Jahren hoch gehalten, die Grundlage dafür schwindet aber immer mehr.

Lewandowski selbst formulierte vor der Saison keine wahren Ziele und hält sich auch bisher damit zurück, weil er im Grunde noch überhaupt nicht weiß, wozu diese Mannschaft, die ihm vorgesetzt wurde, in der Lage ist. Dieser Zustand kann auch noch die ganze Hinrunde andauern, doch dann wird es auch für ihn eng. Völler und Holzhäuser mögen sich immer als geduldig beschreiben und von sich selbst sagen, dass man den Trainern heutzutage mehr Zeit lassen sollte, doch auf der anderen Seite schüren sie mit fälschlichen Aussagen immer wieder die Hoffnungen der Fans und bringen sie am Ende damit gegen sich selbst auf. Ist es nicht endlich an der Zeit sich einzugestehen, wer man eigentlich ist? Ich selbst hätte kein Problem damit, dass ich ab sofort Fan eines oberen Mittelklasseklubs bin. Eher habe ich ein Problem damit, dass man mich das nicht sein lässt. Verliert man nämlich in einem normalen Bundesligaspiel gegen Dortmund, die, wie Lewandowski selbst sagt, uns drei Jahre voraus sind, geschieht das Gleiche wie inzwischen nach jeder Niederlage:

Es wird gemeckert, in Frage gestellt, Alibis werden gesucht, die Systemfrage kommt immer auf und bis zur Trainerfrage ist es nicht mehr weit. Das nervt. Sowohl von Fans als auch von Angestellten der GmbH oder Medienvertretern. Wenn ich mir bald sicher sein kann, dass ich am nächsten Spieltag wieder von allen Seiten nur negatives höre, dann beschäftige ich mich halt bald mit etwas anderem. Und das liegt dann nicht am Spiel selbst, sondern daran, was daraus gemacht wird. Dann ist man wieder mit voller Elan und Enthusiasmus dabei, man entblößt sich lauthals seiner Meinung und haut auf alles ein, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Warum ist das bei siegreichen Spielen nicht auch so? Wieso entlockt das den meisten nur ein müdes „so kann’s weitergehen“? Gewinnt die Mannschaft, ist das normal. Verliert sie, fordert man sofortige Konsequenzen und Umstellungen.

Ich mache den Fans, denen es dabei so ergeht überhaupt keinen Vorwurf. Es wird ihnen von Klubseite sogar vorgelebt. Wer drehte denn nach dem Spiel wieder weit über 180? Genau, Rudi Völler. Wieso kann man eine Niederlage nicht einfach mal nur eine Niederlage sein? Kann man sich als Klub nicht eingestehen, dass man nicht mehr zur ersten Riege gehört? Befürchtet man dadurch noch mehr Fans zu verlieren als schon in der letzten Saison? Einerseits wird moniert, dass man von den Fans keinen Zuspruch erhält und andererseits werden Hoffnungen geschürt, die selten erfüllt werden. Die Verantwortlichen müssen dort mit einem guten Vorbild vorangehen. Bewerten sie die Lage nüchtern und sachlich, dann kann man das auch von den Anhängern erwarten.

Das Spiel gegen Borussia Dortmund war nur eine Niederlage. Aber es war nicht die erste und besonders nicht die letzte. Es werden sicherlich noch zehn weitere folgen und genau deshalb sollte man endlich damit anfangen, damit richtig umzugehen. Sonst ist die Trainerfrage bald wieder auf dem Tisch und Völler fragt sich, wie es dazu überhaupt kommen konnte.

Genau so.

 

17 Kommentare

  1. loeffler 17. September 2012

    Soweit hast du die aktuelle Lage ja ganz gut getroffen und gegen Dortmund kann man auch mal verlieren oder sollte man inzwischen sogar eine Niederlage einplanen – wie früher gegen die Bayern. Aber es geht ja nicht nur um die Niederlage an sich, sondern um das Auftreten der Mannschaft, die dazu geführt hat. Wenn man so auftritt, reicht das nicht mal mehr für die Europa League.

  2. Hattrick1904 17. September 2012

    Ich stimme Stefan vollkommen zu, dass man bei Bayer endlich aufhören muss, sich dauernd ständig selbst auf die Schulter zu klopfen. Tolles Umfeld, tolle Infrastruktur, tolle medizinische Betreuung, begehrte Spieler … Blablabla.

    Das Problem ist doch, dass solche blutleeren Veranstaltungen wie am Wochenende gegen Dortmund leider keine Ausrutscher, sondern die Regel geworden sind. Da nimmt man sich vor dem spiel immer mächtig was vor und kaum leistet der Gegner auf dem Feld Widerstand bricht alles (Einstellung/System), wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

    Nee, nee, nee.

    Wenigstens hat’s der Trainer angesprochen … Und der Wille zu Spielerrochaden scheint ja auch da zu sein. Bin mal gespannt, ob das Trainerduo in der Lage ist 11 Kämpfer zu finden, die sich nicht jedesmal in die Hosen machen, wenn der Ball mal ein bisschen schneller gespielt wird ..

  3. [...] “Bayer04Blog” sieht ein “Erneutes Missverständnis” in den Zielsetzungen des Vereins und ärgert sich über die immergleichen Verhaltensmuster [...]

  4. jens 17. September 2012

    Ich bin v.a. ganz bei loefflr. Verlieren kann man, von mir aus hoch, aber das Auftreten, der Wille, der Kampf und die Einstellung muss stimmen. Davon sieht man aber in Leverkusen seid geraumer Zeit nichts. Das nervt.

  5. Alex 17. September 2012

    Ich muss gestehen, nach der letzten Saison bin ich dazu übergegangen nur noch die Zusammenfassungen in der Sportschau anzusehen. Es schmerzt zwar immer noch sehr, aber die Leidenszeit ist deutlich kürzer.
    Wie sehr die Konzeptlosigkeit der Vereinsführung einen Club in die Krise stürzen kann, sieht man an Hoffenheim, HSV und Köln. Das sollte kein Anlaß zur Häme sein, sondern eine Warnung an die handelnden Personen.

  6. Stefan 17. September 2012

    @ Jens, @ loefflr

    Klar, das nervt mich auch, aber ich sehe darin nur eine Folge, eine Auswirkung dessen, was eigentlich schief läuft.
    Einerseits möchte man eine neue Mannschaft aufbauen und ihr Zeit lassen, andererseits fordert man schönen, begeisternden Fußball und spricht von Champions League.

    Einerseits wollte die Chefetage einen neuen Trainer und damit einen System- und Taktikwechsel und andererseits muss man “Stars” wie Schürrle und Bender mit hohen Zielen bei Laune halten, damit sie ihren Abgang nicht forcieren.

    Es ist erst der dritte Spieltag, aber ich sehe, dass man sich hier ganz leicht auf eine ziemlich ungemütliche Lage zumanövrieren kann. Davor versuche ich zu warnen.

  7. Sebastian 17. September 2012

    “Leverkusen macht zeitweise das Gegenteil und arbeitet sich durch verwirrende Aussagen selbst von oben nach unten. Der Anspruch wird seit Jahren hoch gehalten, die Grundlage dafür schwindet aber immer mehr.”

    “Ist es nicht endlich an der Zeit sich einzugestehen, wer man eigentlich ist? Ich selbst hätte kein Problem damit, dass ich ab sofort Fan eines oberen Mittelklasseklubs bin. Eher habe ich ein Problem damit, dass man mich das nicht sein lässt.”

    Zwei sehr schöne Passagen, die ich so unterschreibe. Allerdings sehe ich das Auftreten gegen Dortmund nicht als eine Folge dessen an. Die Sache hätte am Samstag sicher nicht besser ausgesehen, wenn sich Verein und Spieler mit der schwindenden Bedeutung in der Spitzengruppe Bundesliga abgefunden hätten. Kampfgeist geht meiner Meinung nach nicht mit realistischem Anspruchsdenken einher.
    Der Kern deines Beitrags trifft die Gesamtsituation aber sehr gut.

  8. Jens 17. September 2012

    Jetzt unterschreib ich mal bei Sebastian ;)

    Unabhängig was es für Ziele gibt, muss jeder Spieler bereit sein, dass Spiel drehen zu wollen. Das sehe ich bei <5 von 11 Spielern. Das kann nicht reichen.

  9. Shepstone 17. September 2012

    În Dortmund kann man verlieren…

    …und, offen gesagt, habe ich das auch erwartet, denn die ersten beiden Spiele zeigten die Werkself nur unwesentlich verbessert im Vergleich zur letzen Saison. Dortmund spielte stark, keine Frage, aber Bayer hatte auch rein gar nichts entgegenzusetzen. Die haushohe Überlegenheit der Dortmunder in Schnelligkeit, Passgenauigkeit und Zweikampfhärte, durchgängig in allen Mannschaftsteilen und über die gesamten 90 Minuten verdeutlichte einen eklatanten Klassenunterschied.

    Das Schlimme oder Erschreckende an dieser Beobachtung ist, dass die Werkself zwar wollte, aber nicht konnte und so gar keine Ansätze auf Besserung zu erkennen waren. Eine einzige halbwegs ernsthafte Torchance (Kießling 13.) und nur 2 bis 3 Schüsse in Richtung, nicht auf’s Dortmunder Tor in 90 Minuten sprechen Bände. Mit nur 3 Gegentoren ist die Werkself angesichts des teilweise dilettantischen Abwehrverhaltens noch glimpflich davon gekommen.

    Völler meinte, dass nur elegant spielen nicht genüge. Da hat er recht, aber wo bitte hat er in Dortmund Eleganz gesehen? Wenn überhaupt, dann bei den Dortmundern, aber bestimmt nicht bei der Werkself, es sei denn diese fortwährenden, hektischen Abspiele ins Nirgendwo nennt er elegant. Ich will jetzt gar nicht auf einzelne Spieler eingehen. Zu deprimierend ist die Betrachtung der Mängel und Schwächen gerade im Vergleich mit dem Dortmunder Personal. Außerdem hat Bayer04 keine Besseren.

    Machen wir uns nichts vor: Die Werkself ist keine Spitzenmannschaft mehr, ist z.Zt. nicht mal Mittelmass und irgendwie vermute ich, dass sich das in dieser Spielzeit nicht zum Besseren wenden wird. Ich ließe mich nur zu gerne positiv überraschen, allein mir fehlt der Glaube.

  10. Bayer04onTumblr 20. September 2012

    Ich kann dem Text nur voll und ganz zu stimmen, die Fans und der Verein allgemein müssen anfangen nüchterner über die Leistung der Mannschaft nachdenken und genau wissen wie diese einzuordnen ist. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass Hyypia und Lewandowski das tun. Nur es ist eben noch nicht ganz angekommen. Was das für Formen annimmt, wenn man nicht früh genug realisiert in welcher Lage man steckt, hat man beim 1.FC Köln doch gesehen. Für die meisten war das wirklich nur noch ein Karnevalsverein in der letzten Zeit und ich hoffe doch mal, dass wir nicht auch so einer werden wollen.

  11. ode 21. September 2012

    Hi,

    ich möchte die Intention des Artikels auch loben, aber trotzdem so mutig sein, und nicht zu zustimmen.

    In der Bundesliga geht es um Leistung. Es geht darum Ziele zu formulieren. Wenn man daran scheitert ist es eine ganz andere Sache. Natürlich darf man scheitern. Und ich denke, dass der Grundtenor des Artikels auch dies mit einfasst. Trotzdem sollte man die Ziele haben. Die vielleicht unpassend zu sein scheinen. Warum sonst sollte man in der Liga spielen? Die Vergangenheit hat zwar gezeigt, dass die Bayern meistens gewinnen. Aber auch, dass alles möglich ist. Ob Stuttgart oder Wolfsburg. Bremen 2004. Kaiserslautern 97 als Aufsteiger. Wenn diese Mannschaften nicht gewollt hätten, wären sie es nicht geworden.

    Natürlich muss man hohe Ziele haben!!! Das ist doch selbstverständlich!!! Aber man muss den Leuten zugestehen, dass sie scheitern können. Das ist im Grunde schon alles. Und das scheint niemand mehr zu können… Und genau an dieser Stelle liegt die Krux. Nicht, dass die Ansprüche formuliert werden. Nicht, dass sie überzogen sind. Nein. Man darf das alles werden wollen. Auch mit einer Mannschaft, die das vielleicht nicht drauf hat. Aber man muss damit leben können, wenn es nicht klappt.

    Wer von euch hätte Ende der Saison 2010/11 gedacht, dass Gladbach 2012 Championsleague spielen könnte?

    Wer nicht dran glaubt oder es sich vornimmt, der schafft es auch nicht.

    Ich war damals, als ich noch jung und schnell und so war damals so: Es war mir scheißegal, wer da auf der anderen Seite stand – ich wollte gewinnen. Jedes einzelne Spiel, jeden Zweikampf, jeden Ball. OK, ich bin Handballer. Wir haben grundsätzlich ein wenig mehr drauf als diese Fusballerweicheier. Auch, wenn wir nicht so viel laufen müssen (was mir damals schon sehr entgegen kam).

    Man muss es wollen. In jedem Spiel, in jeder Situation. Und man darf es auch formulieren.

    Ich finde übrigens auch, dass diese Mannschaft oben mitspielen kann. Sie hat das Potenzial. Sie hat es vor 2 Jahren gemacht. Wir sind 2ter geworden! Hinter Dortmund, vor Bayern. Kießling hat da gespielt, Augusto, Castro, Rolfes, Reinartz, Schwaab, Kadlec, Bender, Sam, Friedrich. Wahrscheinlich noch mehr, aber ich hab keine Lust alles nachzugucken. Sieben dieser Spieler standen heute gegen Charkiw auf dem Platz.

    Klar ist, das die Intention des Artikels richtig ist. Auf Facebook diskutier ich mit Fans, für die Bayer ne Schönspielermannschaft ist. Man ist es gewohnt, mit fantastischem Offensivfussball die Stadien zu erobern! Und spielt gegen Real Madrid und haut Barca 2:1 aus dem Stadion. Diese Leute sind seit 1999 oder 2002 Fans von Bayer. In dieser Zeit hat Bayer viele neue Fans gewonnen.

    Ich bin Bayer-Fan seit den 80er Jahren. Bayer war Rumpelfussball! Abstiegskampf, Werkself (damals ein Schimpfwort). Dann kam ein Manager, der ein wenig anders war. Und brachte Bayer nach 1988 den Erfolg. Komischerweise. Denn bis zum Erfolg waren wir ne Rummpeltruppe.

    So was sollte man nicht vergessen. Und daher fällt es mir und (falls ihr auch schon jenseits der 30 seid) euch leichter zu kapieren, wie gut wir es mittlerweile haben…

  12. Stefan 21. September 2012

    @ ode: Zuerst ein Dankeschön für deine Kommentare und um mir zu widersprechen, benötigt es wahrlich keinen Mut. ;)

    Natürlich kann und darf man selbst hohe Ziele haben, auch als Team. Doch wenn ich sie so nach Außen kommuniziere, wie es Bayer Leverkusen derzeit macht, dann muss ich mich nicht wundern, wenn Fans und Medien entsprechende “Negativ-Stimmung” machen. Stuttgart, Lautern, Wolfsburg und Bremen haben alle sicherlich nicht schon zu Beginn der Saison gesagt “Ein Meistertitel wäre schön” oder “Champions League ist muss, doch ein Titel wäre (sehr) gut”. Ebenso wenig hat Gladbach im letzten Jahr herumposaunt, dass man wieder nach ganz oben möchte und zwar sofort im ersten oder zweiten Jahr.

    Selbst Dortmund schiebt jedes Jahr die Favoritenrolle von sich weg. Und was resultiert daraus? Erfolge werden bei Fans und Medien auch so verbucht und nicht als schnöde “Pflichtaufgabe” abgetan. Es geht um die Außendarstellung. Welche Ziele jeder Spieler intern an sich selbst hat, weiß ich nicht und hat deswegen mit diesem Artikel eher weniger zu tun.

    Zum zweiten Platz vor zwei Jahren: Viele Spieler mögen geblieben sein, doch inzwischen hat sich viel getan. Heynckes war damals im zweiten Jahr. Ein Ding, dass zuvor Labbadia, danach Dutt und auch das neue Trainer-Duo noch gar nicht erreicht hat. Zeitgleich spielte man einen Fußball, der zu den Fähigkeiten der Spieler sehr gut passte. Doch inzwischen ist dieser Art des Spiels nicht mehr aktuell bzw. wird von moderner spielenden Mannschaften sehr gut geschlagen.

    Zudem darf man nicht unterschätzen wie wichtig Vidal und Hyypiä damals für den Erfolg waren. Castro, Schwaab, Sam und Co. sind gute Spieler, wenn die Mannschaft darum funktioniert. Sie fügen sich ein und Können guten Fußball spielen. Doch derzeit muss, wie schon oben betont, erst einmal wieder etwas aufgebaut werden. Das ist eine ganz andere Ausgangslage als noch unter Heynckes und erfordert auch andere Qualitäten.

  13. ode 21. September 2012

    Natürlich muss ein Realist sich nicht wundern, wenn man Ziele formuliert, dass dann die Enttäuschung groß ist, wenn man sie nicht erreicht. Doch ist das der richtige Ansatz? Ich finde es schlimmer, wenn man eine Erwartungshaltung nicht auch mal ohne Konsequenzen nicht erfüllen darf.

    Insofern sollten sich Fans und Medien mal an die Nase packen. Dabei gilt eh: Immer mal erst bei sich selber gucken.

    Muss ein Trainer immer sofort aus dem Stand Ziele erfüllen? Dann müssten 12 von 18 Vereinen jede Saison die Trainer kicken. Was ist das für eine Botschaft an die Mannschaft?

    Nicht die Ziele sind das Problem. Sondern die, die damit nicht umgehen können, wenn diese nicht erreicht werden. Und dann ist immer leicht auf andere zu zeigen. Immer erst an die eigen Nase packen!

  14. Stefan 21. September 2012

    @ Ode: Absolut richtig. Jeder muss erst auf sich selbst schauen, bevor er den Finger auf andere zeigt. Das gilt für alle Parteien.

    Aber gerade die Vereinsleitung beschwerte sich in der letzten Saison über die Aussagen und Handlungen von Fans sowie Medien. Und anstatt dagegen etwas zu unternehmen, führen sie ihre “Außenpolitik” einfach weiter.

    Wir beide sind uns eigentlich einig (oder?), nur geht dein Appell eher in Richtung Fans/Medien und meiner diesmal eher in Richtung Verein.

  15. ode 24. September 2012

    Ja, im Grunde hast du Recht.

    Ich verstehe deine Argumente durchaus. Auch, dass man als Vorstand/Verantwortlicher so handeln muss, weil einfach die Medien und Fans sonst durchdrehen. Klopp macht das ja seit Jahren, dass er niemals sagt: “Wir wollen Meister werden!” Jeder weiß aber doch ganz genau, dass jeder Meister werden will. Alles andere ist völliger Schwachfug. Und trotzdem muss Klopp das sagen, und es ist ja auch richtig sich so zu verhalten! Und jeder einzelne Mensch hört was Klopp sagt und denkt: “Ja, klar… Im Wirklichkeit meint er das nicht so.” Und alle haben Recht. Und Klopp grinst während er das sagt und denkt auch: “Junge!!! Klar will ich Meister werden, die Championsleague gewinnen, etc.!!! Aber ich kanns nicht sagen, weil alle durchdrehen und wenn ich Zweiter werde flieg ich achtkantig raus!”

    Und genau da liegt doch die Perversion. Klar: Die Leute müssen sich so verhalten. Aber doch nur, weil sonst alles den Bach runtergeht, weil die Leute es nicht akzeptieren, wenns schief geht.

    “Der hat gesagt, er will Meister werden! Jetzt ist er nur Zweiter! Die Sau!!!” So siehts doch aus…Oder?

    Fazit: Die Verantwortlichen dürfen es sich nicht erlauben was zu sagen, was sie nicht halten können, weil es ihnen sonst vorgehalten wird. Insofern ist es tatsächlich unglücklich, was die Bayer-Verantwortlichen da machen. Für mich stellt sich aber die Frage, warum sie das machen…

    Und wie pervers ist das eigentich, dass die Medien in den letzten beiden Jahren den Klopp regelmäßig gezielt fragen, ob er nicht doch Meister werden will? Ganz gezielt! Und wenn er das sagen würde? “Ha! Er hats gesagt!!! Explizit! Er will doch Meister werden und nicht immer nur das nächste Spiel gewinnen!!! ” Wahnsinn…. Wer hätte das gedacht….

    ;-)

  16. Stefan 24. September 2012

    Ich musste tatsächlich mehrmals lachen. Du bringst es mit wenigen Worten genau auf den Punkt. So funktioniert die Öffentlichkeitsarbeit deutscher Bundesligisten in Sachen Zielsetzung.

    Mitunter ein Grund, warum mich das Ding hier seit bald drei Jahren immer wieder mal motiviert. Ein bisschen dagegen steuern oder zumindest erläutern, auch wenn wir nur ein kalter Furz im Orkan sind.

  17. ode 24. September 2012

    Eine sehr löbliche Einstellung. Ich lese den Blog sehr gerne. Und auch, wenn ich hier eine andere Position eingenommen habe: Weiter so! Und danke für die ganze Mühe!

    LG…ode.

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