Eine Wiedergutmachung
Gonzalo Castro steht symptomatisch für das Leverkusener Auftreten gegen den FC Köln. Er positionierte sich gut und rochierte geschickt, zeigt Einsatzwillen und versucht das „alte“ Leverkusener Spiel aufzuziehen: Mit viel Tempo und Kombinationsbereitschaft ohne große Umwege auf das gegnerische Tor ziehen. Doch es fehlen so die letzten 10 oder 15 Prozent, die ihm wahrscheinlich auch zum Nationalspieler machen würden. Das sind manchmal fahrlässige Fehlpässe und manchmal schwerwiegende Ballverluste. Dass es am Ende trotzdem einen deutlichen 0:2-Sieg gab, lag einerseits am sehr geschwächten Gegner und andererseits am weiterhin in der Kritik stehenden Trainer Dutt.
Schon im Vorfeld war bekannt, dass die Kölner Mannschaft in ihrer aktuellen Form und Zusammenstellung kein allzu großer Gegner sein würde. Zu groß sind die Personalsorgen besonders in der Abwehr. Robin Dutt reagierte darauf und verordnete der Mannschaft ein sehr aggressives Pressing. Dutt zwang den Gegner zum Mauern und wollte unbedingt das erste Tor erzielen. Mit folgendem Plan: Stefan Kießling durfte als alleiniger Stürmer wieder seinem Ruf gerecht werden und sich in jeden Zweikampf werfen, der sich gerade so anbot. Damit ging ihm zwar die Torgefährlichkeit vom Spiel gegen Augsburg verloren, doch sorgte es zusammen mit einer weiteren Trainerentscheidung für eine erdrückende Überzahlsituation in Ballnähe.
Der zweite Kniff von Robin Dutt war es, die nominellen Außenverteidiger Kadlec und Corluka so tief in die gegnerische Formation zu ziehen, dass sie bei eigenem Ballbesitz zu Mittelfeldspielern wurden. Das ist auch der Grund dafür, dass der eigentlich nominelle Rechtsaußen Castro häufig in der Zentrale stattfand und Schürrle sehr oft als freier Mann anspielbereit war. Zählen wir also kurz zusammen: Beide Außenverteidiger, die freien Castro und Schürrle, der hängende Kießling und dazu noch Renato sowie Bender. Das sind sieben Bayerprofis, die sich ständig in Ballnähe bewegten. Eine Dominanz, wie sie uns Robin Dutt zu Saisonbeginn immer versprach.
Gleichzeitig veränderte der Leverkusener Trainer das Umschalten von Ballbesitz auf Ballverlust. War es in der bisherigen Saison so, dass sich bei Ballverlust alle Spieler so schnell wie möglich zurückzogen und ihre Positionen wiederfanden, ging man diesmal aggressiv auf den ballführenden Spieler los. Den Ball sofort zurückerobern und gleich wieder Nadelstiche setzen.
Diese Maßnahmen haben natürlich auch eine Kehrseite: Defensiv standen wir sehr hoch mit einer Dreierkette, bestehend aus den Innenverteidigern Toprak und Schwaab sowie dem defensiven Mittelfeldmann Reinartz. Dazu kommen die freien Räume hinter den aufgerückten Außenverteidigern, die ein gefundenes Fressen für konterstarke Teams sind. Fast alle gefährlichen Angriffe, die der FC selbst initiiert hat, kamen über die Außen.
Dieses Spiel hätte, auch wenn es vielleicht nicht den Anschein macht, sehr schnell in eine andere Richtung laufen können, besonders wenn man bedenkt, dass den Kölnern ein Elfmeter verwehrt blieb. Robin Dutt hätte die Partie im Hinblick auf den eher schwachen Gegner taktisch konventioneller angehen können. Er hätte auf Bewährtes zurückgreifen können und so wahrscheinlich mit weniger Risiko drei Punkte eingefahren. Genau dieser Punkt zeigt aber wie Robin Dutt tickt. Er will Dominanz, Entscheidungen und Weiterentwicklung. Er versteckt sich nicht hinter der Kritik an seiner Position, sondern hat den Mut zu scheitern. Exakt das bringt Bayer Leverkusen voran. Sein Mut, ein Castro als Kapitän, ein spielfreudiger Renato, ein erneut hervorragender Lars Bender. Ohne Friedrich, ohne Rolfes, ohne den verletzten Ballack und ohne den großen Sami Hyypiä.
Wenn man patethisch wäre, könnte man behaupten, dass Dutt gerade eine neue Zeitenwende einleitet, die aber auch nur durch kurzfristigen Erfolg gehalten werden kann und diesem muss er weiterhin gerecht werden. Dafür muss in erster Linie der Defensivverbund endlich seine Stabilität finden. Der FC Bayern könnte diesbezüglich am Samstag zu Dutts Prüfstein werden, besonders da dort eben jener Trainer auf der Bank sitzt, der Leverkusen zuletzt auf Platz 2 führte.


Ich denke, wir sehen hier Woche für Woche einen Fortschritt in der spielerischen Ausrichtung und in der Umsetzung taktischer Vorgaben. Natürlich fehlen uns die – sicher möglichen – Punkte aus den Spielen gegen Bremen, Stuttgart und vielleicht auch Dortmund. Neben der Weiterentwicklung der Mannschaft wünsche ich mir vor allem eine Normalisierung im Spannungsfeld Medien-Verein-Fans (IHR wisst, was ich meine).
Ansonsten noch eine Bitte an die Macher des Blogs: WEITER SO!
Schwarz-rote Grüße
Klaus
Eine ordentliche 2. Halbzeit gegen Barcelona und dann 2 hochverdiente Siege in Folge in der BL, ja, es scheint tatsächlich etwas voranzugehen. Auf jeden Fall sieht man bei Bayer jetzt wieder ein Mittelfeld, welches das Spiel diktiert und endlich wieder für Torchancen sorgt. Das Mittelfeld arbeitet auch nach hinten recht ordentlich, wobei ich die regelmäßigen Aussetzer einfach als gottgegeben und seit Jahren typisch für die Werkself ansehe. Bei aller Freude über die letzten Siege wollen wir nicht vergessen, dass sie gegen 2 potentielle Abstiegskandidaten, der FC in der derzeitigen Verfassung gehört ganz sicher dazu, erzielt wurden. Die nächsten Spiele geben mehr Aufschluss. Wird man sich gegen Barca mit Zähnen und Klauen wehren und sich einigermaßen ehrenvoll aus der CL verabschieden? An ein „Wunder von Barcelona“ vermag ich einfach nicht zu glauben! Kann man dann 3 Tage später gegen ausgeruhte Bayern eine Topleistung abliefern, denn die wird nötig sein, wenn man deren Spiel gegen Schalke gesehen hat? Barca einfach abschenken um den Bayern besser Paroli bieten zu können, geht wohl wegen internationaler Reputation nicht? Blöder Zeitpunkt für das Bayernspiel – oder?
@Shepstone Wir spielen erst gegen die Bayern und dann gegen Barcelona. Sollten also für die Münchner einigermaßen fit sein.
Ich sach mal so: Wann hat es je einen günstigen Zeitpunkt für ein Bayern-Spiel gegeben? … Eben.
Wir müssen es nehmen, wie es kommt und Captain Castro vertrauen, wenn er sagt, dass das Team immer enger zusammensteht. Alles, was ich bis Ende der Saison will, sind Spiele, in denen wir uns nicht ergeben und keinen Angsthasenfußball zeigen. In den letzten drei Spielen hat man in der Tat gemerkt, dass unser Offensivspiel sehr viel lebendiger war. Köln war die erste Leistung, in der es keinen eklatanten Abfall über 90 Minuten gab (Oder hab ich was übersehen?) Das von Dutt verwendete Wort Dominanz würde ich zwar nicht in den Mund nehmen, aber ich hatte in fast allen Situationen das Gefühl, dass wir über Kontrolle verfügen und Zugriff aufs Spiel haben. Und das wir noch hätten zulegen können.
Zum Thema Spiele gegen Abstiegskandidaten: Die schätze ich als schwer ein. Frag nach bei den Bremern an diesem Wochenende. Was mir gegen die Kölner ebenfalls sehr gut gefallen hat, war, dass man sich durch die Aggressivität der Kölner nicht hat aus der Ruhe bringen lassen. Sondern dass man geduldig (!) und sehr kontrolliert gegen die zwei Viererketten angespielt hat und den Kampf zu jeder Zeit angenommen hat.
Dass alles ist nichts, worauf man sich ausruhen darf. Und die Spiele gegen die Bayern, gegen Wolfsburg und Gladbach werden zeigen, ob wir von einem Zwischenhoch oder einer Entwicklung sprechen dürfen. So einfach ist das.
@Hattrick – Oh, sorry, da hätte ich mir den Terminplan doch etwas genauer anschauen sollen, denn nun ist ja das Ende meines Postings völliger Blödsinn. Nochmals: Verzeihung bitte! Aber dann können die Jungs ja mit Volldampf gegen die Bayern…?! Und nach dem Sieg, mit dem neuen Selbstvertrauen, ist dann natürlich auch das Barcelona-Wunder drin – na ja – vielleicht –man weeset ja nich.
Und natürlich hast Du recht, langsam macht es wieder Spaß der Werkself zuzuschauen, nicht wegen der Ergebnisse, sondern weil endlich wieder ansehnlicher Fußball gespielt wird. Wenn da also eine Tendenz draus wird, dann darf der Dutt meinetwegen bleiben. ;-)
Für mich persönlich ist der größte Lichtblick, dass Renato wieder dabei ist. Mit ihm ist die Kreativität wieder in unser Spiel zurück gekehrt. Das hat der Mannschaft sichtlich gut getan. Jetzt agieren sie nicht mehr so eindimensonial und vorhersehbar. Die Bayern kommen für meinen Geschmack 2 bis 3 Spieltage zu früh.
Hoffentlich halten wir dem Druck von Hannover und Bremen in der Tabelle stand. Auch wenn Hannover gestern verloren hat, haben sie eine ganz starke zweite Halbzeit gespielt und hinterlassen einen sehr guten Eindruck. Vielleicht bricht Schalke ja auch noch ein ;-)