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Die Akte Balitsch

Es war wie ein heftiger, unerwarteter Einschlag für die Fanszene als bekannt wurde, dass Hanno Balitsch seinen Kabinenplatz räumen darf. Damit hat wohl niemand gerechnet und während einem die Storys zwischen Ballack und Dutt langweilen, polarisiert dieser Fall. Das liegt daran, dass Balitsch bei den Bayerfans eine blütenreine Weste hat. Er gibt sich in keiner Situation auf, war für viele DER Spieler in der letzten Saison und meckert nicht über Medien, wenn er mal wieder für längere Zeit auf der Bank verweilen muss. Er spielt ausschließlich für die Mannschaft, nie für sich selbst. Kurz gesagt: Hanno Balitsch gehört zu den Publikumslieblingen und verkörpert so gar nicht den aktuellen Abstieg von Bayer Leverkusen. Ausgerechnet diesen korrekten Typen rasiert der Dutt nun nach dem wohl enttäuschendsten Spiel der Saison? Verzweiflungstat?

Nun, diese Frage stellen sich viele und begehen damit schon den ersten Denkfehler. Hannos Kopf rollte nicht erst nach dem Nürnbergspiel, sondern schon vor vielen Wochen. Es wird nur jetzt erst bekannt. Für die Mannschaft und Balitsch selbst wird es also absehbar gewesen sein. Die Frage nach dem “Warum?” kann man nach heutigem Stand nicht beantworten. Balitsch war aber sicherlich kein Bauernopfer. Es muss etwas vorgefallen sein und wenn Dutt meint, eine Suspendierung sei das Beste und Völler (oder ein anderer Verantwortlicher) dem zustimmt, wird es sicherlich keine Lappalie gewesen sein. Dafür ist der Kader zu klein und ein vielfältig einsetzbarer Ersatzspieler zu wichtig.

Den Dutt-Gegnern spielt das natürlich prächtig in die Karten. Der Trainer ist nun endgültig durchgedreht und spielt sich zum Diktator auf. Die Vorwürfe sind so haltlos wie nichtig, eben weil niemand mit Sicherheit sagen kann, was genau vorgefallen ist. Dafür ist Balitsch (gottseidank) zu wenig Medienhure und die Bayer-Verantwortlichen zu souverän im Umgang mit der Öffentlichkeit. Die Dutt-Gegner stört das alles nicht. Für sie ist der Fall klar: “Unser aller Hanno Balitsch” wurde auf intrigante Art und Weise hintergangen und steht nun als Bauernopfer alleine da.

Schnell formieren sich kleine Organisationen und die allseits beliebten Facebook-Gruppen. Ein Blick in diese und der Kopf schmerzt vor gedanklichen Stirnklatschern. Abgesehen davon, dass die Rechtschreibung und Aufmachung auf 12-jährige zu schließen scheint, sind Aussagen und Rückschlüsse von solcher Peinlichkeit, dass es mich Überwindung kostet, darüber überhaupt zu schreiben. Zu peinlich ist das für die Leverkusener Fanszene.

Ein Fakt, der mich bei der ganzen Geschichte tatsächlich etwas erfreut, ist die Ahnungslosigkeit von den Meinungsmachern in den Medien und ihren Konsumenten*. Da wird wochen-, was sag’ ich… da wird monatelang über das zerschnittene Verhältnis zwischen Dutt und Ballack berichtet und dabei ist der Brandherd anscheinend woanders. Ballack und Dutt mögen sicherlich nicht immer einer Meinung sein, aber der ehemalige Nationalmannschaftskapitän ist inzwischen Stammkraft und bringt gute Leistungen. So unzufrieden wie immer behauptet, kann er also gar nicht sein. Die Journalisten und Redakteure, die sich in Teilen immer als so allumfassend informiert geben, erwähnten in keinem Halbsatz was gerade an die Öffentlichkeit kam.

So, und jetzt rüste ich mich für Gegenwind bei den Reaktionen und Kommentaren, wenngleich ich weiß, dass ich alles andere als allein mit dieser Ansicht bin.

*Ich selbst gehöre irgendwie ein bisschen zu beiden Teilen.


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7 Kommentare
  1. Deine Meinung

  2. Ich bin da ganz bei dir. :-) Ich hab die Meldung zwar auch erst mal mit Kopfschütteln gelesen, aber, wie du schon schriebst, scheint das ja nicht nur irgendeine Lappalie gewesen zu sein, sonst hätte man sicherlich auch zu anderen Mitteln greifen können.

    Ich frage mich ja auch, wie das innerhalb der Mannschaft aufgenommen wurde und ob das schon länger bekannt ist. Führt das nun dazu, dass es wieder etwas ruhiger im Team wird, oder gewinnt die “Anti-Dutt”-Gruppierung (sollte es sich tatsächlich geben), nun an Einfluss?

  3. Ela says: 21. Dezember 201116:15

    Danke für diesen hervorragenden Text – er spricht mir extremst aus dem Herzen (und v.a. die Passage zum Facebook-Geschehen hätte man gar nicht besser ausdrücken können!)!!

  4. Den Nachsatz “Er will ja noch Fußball spielen” hätte Dutt sich allerdings wirklich sparen können. Komisch, manchmal hat er echt Ausreißer, die ich mir nicht wirklich erklären kann.

  5. Dutt ist auch sicherlich nicht ohne Schuld, aber mir geht diese Heroisierung von Balitsch gewaltig gegen den Strich. Ich freu mich schon auf die Demo. Ich wette, dass sie auf keine 100 Leute kommen.

  6. Guter Beitrag!

  7. Lucas says: 24. Dezember 201100:10

    Trotzdem, kann man auch anders mit der ganzen Sache umgehen, vor allem ein Nachtreten, wie das von Hattrick1904 angesprochene, kann man sich als außenstehender nicht erklären und selbst wenn es gerechtfertigt sein sollte gehört es sich nicht auf diese Art und Weise. Man wird das Gefühl nicht los, dass Dutt sich mit einer rabiaten Aktion Respekt bei der Mannschaft zurückkaufen wollte. Was das anscheinend mangelhafte Verhältnis zwischen Spieler und Trainer angeht, kann man wohl niemanden ausnehmen, weder die Spieler und deren Grüppchenbildung, noch den Trainer und dessen relative Unerfahrenheit mit eigensinnigen Charakteren.
    Ich bin mal gespannt was da noch nachkommt

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