Quo vadis Bayer 04 Leverkusen?
Ein Drittel der Saison ist gespielt, höchste Zeit einmal grundsätzlicher zu werden. Die letzten Wochen waren für den gemeinen B04-Fan ein Grauen. Die Saison fing mit einem Genickschlag an, rumpelte dann so vor sich hin und nun, nach 12 gespielten Runden, suggeriert der Blick in die Medien ein zerstrittenes Team, einen Trainer auf der Suche nach der Spielidentität und der richtigen Balance im Umgang mit den Spielern und einen Geschäftsführer, der mit seinen Äußerungen zu Transfers, Spielern und überhaupt besser schweigen würde, weil das, was er sagt, auf wenig Sachverstand schließen lasse.
Ist dem so? Sind Trainer und Mannschaft wirklich so zerstritten, wie es immer heißt? Hat Holzi keine Ahnung vom Geschäft? Und Dutt keine vom schönen und erfolgreichen Spiel? Es sind die klassischen Fragen, die immer auftauchen, wenn der Erfolg ausbleibt. Es sind die falschen Fragen, denn derzeit befindet sich – auch wenn es kaum einer offen sagt – Bayer04 im Umbruch, wie schon lange nicht mehr.
Mit Leno, Schürrle, Bender, Sam und Toprak stehen derzeit fünf Mann im Kader, die ihre erste oder zweite Saison nicht nur auf Bundesliga-Spitzenniveau sondern auch in der CL spielen müssen. Mit einem neuen Trainer. Bedingt durch die Verletzungen von Augusto und Barnetta sowie den Abgang von Vidal fehlen dem Team drei erfahrene Kräfte, was dem Trainer eine sinnvolle Rotation erschwert. Ich bin mir jedoch sicher, dass wir einige der Probleme ebenfalls hätten, wenn alle Spieler gesund wären. Wir hätten womögliche einen Michael Ballack auf der Bank und ständig Theater. Wir hätten einen schmollenden Sam. Oder einen schmollenden Barnetta. Weil mal ehrlich: Wer einen fitten Schürrle im Kader hat, setzt ihn auch ein. Und auch ein Augusto hatte in der Vergangenheit seine genialen Momente nicht in der Konstanz, dass er – wie beispielsweise ein Vidal – derzeit in der Lage wäre, den nächsten Schritt zu einem größeren Verein zu gehen. Gleiches lässt sich über Castro sagen. Nene, nee, nee, die alten Haudegen inklusive Rolfes hatten lange genug Zeit mal richtig was zu reißen. Und was ist dabei rumgekommen?
Es kommt nicht von ungefähr, dass Holzi genau die arrivierten, dem Verein lange verbundenen Spieler wie Castro, Rolfes und Kies letztens in die Pflicht genommen hat und das er meinte, man sei bereit alles zu hinterfragen. Und es kommt nicht von ungefähr, dass Bayer04 unverholen viel Geld in einen 19-jährigen Torhüter stecken will, um diesen langfristig zu binden. Nur als Druckmittel für die Verhandlungen mit Adler? Oder auch, weil man mittlerweile der Überzeugung ist, dass René Adler seit seiner Verletzung vor der WM nie mehr ganz der Alte geworden ist? Jedenfalls nicht so sehr, dass es ihn berechtigt, zu einem der absoluten Spitzenverdiener im Club aufzusteigen? Vielleicht steckt hinter all dem aber auch noch ein bisschen mehr.
Demonstrativ stärkte die Vereinsführung in der Länderspielpause ja auch dem Trainer den Rücken, der auch noch einmal betonte, er habe den Auftrag bekommen, richtig viel im Verein zu verändern. Sollte dies wirklich der Fall sein, dann ist das Verhalten des Vereins bei Transfers und das Verhalten von Dutt beim Coaching nur konsequent. Dann muss Dutt die jungen Spieler spielen lassen, ihre Unerfahrenheit und ihre Leistungstiefs in Kauf nehmen. Er muss den Stil der Mannschaft ändern, selbst, wenn das bedeutet, dass für einen Kies, einen Adler oder einen Rolfes vielleicht in einem Jahr kein Platz mehr in dieser Mannschaft ist. Denn die Zukunft wird kommen.
Und die Frage ist, ob die Zukunft mit oder ohne uns stattfindet.
Man sieht das derzeit ja sehr schön an der Nationalmannschaft, in der ein Rolfes nicht umsonst in der Mittelfeldhierarchie so weit zurückgefallen ist. Das Spiel hat sich verändert. Die Anforderungen an die Spieler ebenso. Vermisst eigentlich einer von euch einen Helmes? Die Vereinsführung von Bayer04 scheint derzeit jedenfalls auf die Zukunft zu setzen. Auch, weil man wohl erkannt hat, dass es mit den “alten” Spielern zum ganz großen Wurf – einem Titelgewinn – eben nicht gereicht hat. Ich teile diese Auffassung. Ich meine, sogar Nürnberg hat in den letzten Jahren den DFB-Pokal gewinnen können. Und Schalke und Bremen richtig oft. Dortmund ist Meister geworden. Wolfsburg und Bremen haben sich vor die Bayern mogeln können. Es kann doch nicht sein, dass wir nicht in der Lage sind, wenigstens einmal eine außergewöhnliche Saison rauszuhauen. Da muss sich was ändern.
Getragen wird dieser Umbruch bei Bayer04 natürlich in erster Linie von Erfolgen. Aber auch von der Fähigkeit, schlechte Ergebnisse wegzustecken. Sich über die auftretenden Schwierigkeiten hinwegzusetzen. Selbst, wenn wir daher am Freitag gegen Kaiserslautern verlieren sollten und auch gegen Chelsea verkacken … Unser wichtigstes Saisonziel, sollte die Zukunft bleiben.
Und natürlich mindestens ein vierter Platz am Saisonende, damit die Mannschaft weiterhin auf höchstem Niveau lernen kann.


Ja hier! Ich vermisse Helmes. Allerdings auch Gekas. Ich liebe diesen Stürmertyp. Aber da bin ich wohl ziemlich alleine. :-D
Ha, wenigstens einer: Sagen wir mal so: Die 2. Mannschaft hat selbst ein Helmes nicht verdient. Und Gekas … Naja… Ich glaube, dass viele Fans noch nicht begriffen haben, dass jenseits vom FC Barcelona oder dem Tikitaka Spaniens sich der Fußball wirklich gewandelt hat.
Derzeit ist beispielsweise die Nationalmannschaft so dermaßen weit weg von unseren Kickern, dass es weh tut. Der einzige, der einigermaßen dran ist, ist Schürrle, aber der hat sich nicht bei uns in den Fokus gespielt. Noch nicht :-). Ein Kies sollte sich, bei aller Sperrigkeit von Löw, durchaus mal wundern, dass er von einem 33-Jährigen im DFB-Sturm aber sowas von locker abgekocht wird. Rolfes ist in der N11 mittlerweile nur noch der Ersatz vom Ersatz. Adler stand auch vor seiner WM-Verletzung in der Kritik. Zu recht. Reinartz ist ebenfalls noch keine Alternative. Und wenn er Pech hat, gehört er eh nur zum Kreis der Spieler, bei denen es bei der Vorhersage der goldenen Zukunft bleibt. Wie bei Castro.
ich werf das jetzt auch mal bewusst polemisch in den Raum: Welcher Spieler, außer Vidal, ist denn in den letzten vier Jahren bei uns im Verein für jeden erkennbar und nachhaltig besser geworden? Keiner. Und ich kann mir mittlerweile vorstellen, dass wenn man unsere Spieler dazu befragen würde, warum das so ist, dann würde die Mehrzahl rummaulen, dass sie der Trainer halt nicht auf ihrer Lieblingsposition ran lässt, dass das Spielssystem halt die eigenen Stärken nicht so zum tragen bringe oder sonst irgendeine Ausrede…
Kollege Klüttermann hat das neulich schön formuliert, als er sagte, dass außer bei Leno und Bender derzeit bei allen Bayer-Spielern eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffe. Da kann man den einen oder anderen Indianer, die jede Mannschaft braucht, noch abziehen, aber mehr lässt sich über den IST-Zustand tatsächlich nicht sagen. Also: Kicker holen, die geil aufs Gewinnen sind, die sich vor allem fußballerisch weiterentwickeln wollen.
ich kann das ja alles verstehen. und umbruch und so. und mal alte unmoderne spieler aussortieren, ABER das haben wir ja schon vor ein paar jahren angefangen und die ernte sollte ja letztlich letztes, bzw. dieses jahr eingefahren werden. davon kann man nur träumen. jetzt wieder 2-3 umbruchjahre, um dann wieder zu unmoderne, zu alte spieler zu haben? das problem liegt irgendwo anders, was du ja auch angedeutet hast. die mannschaft hat potenzial meister zu werden und es bedarf nur jemanden, der es herauskitzelt.
Vidal ist nicht mehr dabei und er war in der vergangenen Saison sicherlich der mitreißende Motor im Zentrum der Werkself. Auch Renato-Augusto und Barnetta hatten ihre kreativen oder gar genialen Momente und Hypiä als gab der Abwehr halt und Sicherheit. All die fehlen jetzt, gänzlich oder zur Zeit, und die Neuzugänge, Toprak und Schürrle, können diesen Qualitätsverlust nicht komplett kompensieren.
Das muss man wohl realistisch so sehen. Dennoch hat Bayer einen Kader gespickt mit Nationalspielern, nach dem sich andere Vereine die Finger lecken würden und mit dem der Verein locker unter den Big Five der Liga mitspielen müsste. Von den Ergebnissen gesehen ist man ja noch einigermaßen dran, von der spielerischen Klasse ist man meilenweit entfernt und leider hat man als Zuschauer das Gefühl, es wird von Spieltag zu Spieltag schlechter. Einige Spieler sind total verunsichert. Man spürt das fehlende Selbstvertrauen selbst als Außenstehender geradezu körperlich. Man wartet nur noch auf den nächsten kapitalen Bock, der dann ja auch unweigerlich folgt. Spieler wie Kiessling können ihre Stärken nicht mehr ausspielen, weil sie fortwährend beim Ausbügeln von Fehlern im Mittelfeld und in der Abwehr helfen müssen, oder sie müssen sich die Bälle aus dem Mittelfeld selber holen, da ein vernünftiges Anspiel aus dem Mittelfeld oder eine ordentliche Flanke die absolute Ausnahme darstellen.
Auffällig ist auch, dass die meisten Bayerspieler in Laufduellen 2. Sieger werden und selbst bei Sicherheitspässen ohne Gegenspieler unsicher wirken. Natürlich gab es in jedem bisherigen Spiel auch mal einige Minuten, in der etwas von fußballerischer Klasse oder gekonntem Mannschaftsspiel aufblitzte, aber solche Momente waren selten und wichen innerhalb von Minuten dem sattsam vertrauten pflegmatischen Ballgewürge. Was will die Mannschaft mit diesem Wechselbad sagen?: „ Wir könnten, wenn wir wollten, aber wir wollen nicht, weil….!“ Wem gilt dieses „weil…“? Dem Trainer, dem Vorstand, oder gar mir als Zuschauer, weil ich mich immer so negativ über die Darbietungen äußere? Tut mir leid, aber wenn’s mich begeistern würde, ich schrieb es nieder, nur zu gerne und voller Enthusiasmus. So aber bin ich nur enttäuscht und ziemlich ratlos. Wenn Dutt das auch ist, und manchmal scheint mir das so, dann wird das diesmal nix mit einem Platz unter den ersten Fünf.
Vidal hat sich natürlich in den letzten Jahren hervorragend entwickelt.
Es gibt jedoch einige Spieler die sich außer ihm weiterentwickelt haben. Das betrifft Kadlec und Bender. Kadlec ist meiner Meinung nach der beste LV der Bundesliga (natürlich hinter Lahm).
Bender zeigt derzeit auch, dass er ein richtig guter ist und nicht umsonst hieß es zu Anfang der Saison “Ballack oder Rolfes? Wer spielt neben Bender?”.
Man sagt Gut Ding will Weile haben. Und genau diese Zeit sollten wir unseren Kickern auch geben.
Das ein Rolfes seit seiner Verletztung nur noch ein Schatten seiner selbst ist, ist ärgerlich. Gleiches gilt für Adler. Michael Ballack hatte nach seiner Verletzung auch einen Durchhänger doch mittlerweile startet er richtig durch.
Ich bin gespannt was passiert, wenn die verletzten Barnetta, Augusto und Ortega wiederkommen. Dann bekommt man im Kader auch mal einen richtigen Konkurrentkampf rein und die erste 11 spürt den Druck im Nacken und nicht den – bei allem Respekt – warmen Atem von einem Jörgensen.
Die Mannschaft befindet sich zur Zeit im Umbruch, und das ist auch gut so. Wenn man es nun noch schafft 2 starke Männer für die Verteidigung (einmal IV neben Toprak / einmal RV, damit Castro auf die 6 kann) zu gewinnen, könnten wir schon nächstes Jahr wieder ernsthaft um die Meisterschaft spielen, sofern es keinen Konkurrenten gibt der alles in Grund und Boden spielt (Bayern diese Saison/Dortmund letzte Saison)
Mit einem 4. Platz bin ich am Saisonende zufrieden, wenn wir es schaffen die “alten Haudegen” durch die “jungen Wilden” zu ersetzen.
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