Das ominöse Zelt
Ich setze den gestrigen “Liveartikel” hier fort und versuche mich gleich an einer Zusammenfassung. Zum Spiel selbst wird es nichts zu lesen geben, da ich nur die erste Halbzeit sah.
16:30 Uhr:
Ich versuche nun mal all die Informationen zum Vorfall beim Frankfurtspiel zusammenzufassen:
Am Mittwoch geht bei Bayer 04 Leverkusen ein Anruf eines Vaters ein, der in den eMails seines Sohnes gelesen hat, dass Frankfurterinnen versuchen würden „Pyros“ in das Stadion zu schmuggeln. Dieser Anruf deckt sich mit den Informationen, die ein szenekundiger Beamter der Kölner Polizei haben soll. Daraufhin wird beschlossen, die Kontrollen bei den Gästefans zu verschärfen. Für die Einlasskontrollen ist der BaySecur-Sicherheitsdienst verantwortlich, nicht die Polizei. Es wird ein Zelt aufgebaut, in dem die weiblichen Eintrachtfans kontrolliert werden sollten. Laut Meinolf Sprink sollten in diesem Zelt die weiblichen Fans von Ordnerinnen abgetastet werden und ihre Schuhe ausziehen. Von Ausziehen bis auf die Unterwäsche wüsste er nichts.
Da stellt sich schon die erste Frage: Wieso ein extra Zelt aufbauen, wenn man anscheinend nur die Schuhe ausziehen müsste?
Dann taucht in den Texten immer wieder ein achtjähriges Mädchen auf, das anscheinend auch im Zelt kontrolliert wurde. Allerdings könnte es genauso gut sein, dass das kleine Kind nur mit ihrer Mutter mitgelaufen ist. Präzisier werden da schon die vielen Augenzeugenberichte von 16jährigen und älteren, dass sie sich bis zur Unterwäsche hätten ausziehen müssen, da ihnen sonst der Zugang zum Stadion verwehrt bleiben würde. Inzwischen haben sogar zwei Frauen Strafanzeige gegen die Ordnerinnen gestellt, dass sie ihnen in die Unterwäsche gegriffen hätten.
Auf der anderen Seite gibt es wieder Aussagen von Fans, die berichten, dass man maximal den weiten Pullover oder das Trikot kurz hätte hochziehen müssen, aber z.b. niemals die Hose hätte ausziehen müssen.
Hier gilt es nun herauszufinden, wer Recht hat und wer lügt. Gut vorstellbar, dass manche Zeugen etwas übertreiben, da sie alles andere erfreut von der gesonderten Kontrolle waren. Sollte sich aber der Verdacht bestätigen, ist das absolut beschämend für unseren Verein und es ist zu klären, wer das anordnete bzw. wer dafür sein „okay“ gab? Braucht es für eine solche Aktion die Erlaubnis der Vereinsführung? Oder waren es nur einzelne Kontrolleurinnen, die es mit Durchsuchung übertrieben?
Geschockt von diesen Ereignissen solidarisierten sich viele der ca. 2000 Eintrachtfans und verharrten vor dem Stadion, weswegen der Gästeblock auch in der ersten halben Stunde noch recht leer war. Erst als sich die Leverkusener sowie die Frankfurter Fanbetreuung einschalteten, konnte nach Diskussion mit den Ordnerinnen und der Polizei das Stadion betreten werden, ohne durch das ominöse Zelt schreiten zu müssen.
Nach dem Spiel wurden im Stadionumfeld von der Polizei pyrotechnische Gegenstände gefunden. Welcher Art und vor allem in welcher Anzahl, konnte bzw. wollte nicht gesagt werden. Bei der Kontrolle im Zelt wurde hingegen nichts gefunden und auch im Stadion gab es keine Vorfälle mit Feuerwerkskörpern. Die einen sagen, die scharfe Kontrolle hätte eine abschreckende Wirkung gehabt, weswegen wohl viele ihre Pyros weggeworfen hätten. Andere macht es stutzig, dass die Polizei sich zu Anzahl und Art der gefundenen Sachen nicht äußern will. Alles nur eine Schutzbehauptung, um die verschärften Maßnahmen zu rechtfertigen?
Dass die Frankfurter Fanszene nicht gerade zimperlich mit Feuerwerkskörpern umgeht, ist bekannt. Und auf Hinweise muss die Polizei oder der Verein, sollten sie sie für ernsthaft genug halten, reagieren. Dass die Konsequenzen aus den Aktionen einzelner „Idioten“ auch die breite Masse trifft, ist auch nicht Neues. Die Frage ist, wie intensiv nun den genau gehandelt wurde und ob man dabei Grenzen überschritten hat (rechtliche wie moralische). Um das zu klären, muss man wissen, was in diesem einem Zelt exakt passiert ist.
Und das ist die Krux bei dieser Geschichte: Es können noch so viele Medien- oder Polizeiberichte erscheinen, auch Stellungnahmen von den Vereinen werden nicht helfen. Eindeutig aufgeklärt wird der Fall wohl nicht werden. Der Verein wird sich kein „menschenunwürdiges“ Handeln eingestehen, viele andere werden den Augenzeugen glauben. Die Differenzen werden bleiben.
25. Sep., 19:00 Uhr: Eintracht Frankfurt bittet Bayer Leverkusen um Stellungnahme. Mehr hier.


[...] 24. Sep, 16:40 Uhr: Fortsetzung gibt es hier. [...]
Danke für die ausgewogene und informative Berichterstattung. Ich sehe das wie du: Was genau passiert ist, wird wohl kaum aufgeklärt werden können.
Trotzdem erwarte ich von der Vereinsführung, dass man Vorkehrungen trifft, um solche “Irritationen” in Zukunft zu unterbinden. Solche krassen Kontrollen sollten zum Beispiel vorab mit den Verantwortlichen abgeklärt werden. Und Zuständigkeit hin oder her: Bei solchen Körperkontrollen abseits der normalen Besucherströme sollte m.E. wenigstens ein Polizist/Polizistin zur Aufsicht vor Ort sein. Eben um zu verhindern, dass die Ordner möglicherweise über das Ziel hinaus schießen und um eine – mehr oder weniger – neutrale Person als Zeugen da zu haben.
Die Situation jetzt ist für den Verein PR-mäßig ja der absolute GAU: Egal ob man sich korrekt verhalten hat oder nicht, die Vorwürfe stehen im Raum und lassen sich kaum widerlegen. Da müsste es auch im Sinne der Vereinsspitze sein, in Zukunft bei solchen außerplanmäßigen Kontrollen besser vorbereitet zu sein.
Ich hoffe sehr und glaube eigentlich auch, dass Bayer in Zukunft auf ein solches Thema sensibler reagieren wird. Mit solchen Aktionen kann man sich zuviel kaputt machen. Das Schweigen der Behörden/Ordner zum jetzigen Zeitpunkt kann ich verstehen – sollte es stimmen, dass wie zu lesen war Strafanzeige gestellt wurde. Da redet man – leider – besser nicht mehr mit der Presse sondern mit einem Anwalt.
Soll das heissen, in Zukunft wird auf Kontrollen verzichtet damit es wieder zu solchen Bildern kommt ?
http://www.dfl.de/de/liga/news/2008/index.php?f=0000120262.php
Wenn man die Reaktionen der Eintracht-Fans im Internet liest, wird einem das Gefühl vermittelt Sicherheitskräfte würden wahllos Unschuldige malträtieren. Die Wahrheit liegt wohl wie so oft in der Mitte.
Nein, natürlich muss es Kontrollen geben und die Polizei/der Verein muss auf Hinweise reagieren, wenn sie diese für stichfest/ernsthaft halten. Doch man kann auch Grenzen überschreiten. Ob es dazu kam, will ich nicht sagen, da es derzeit so viele Versionen der Vorkommnisse gibt. Nur wenn es sich bewahrheiten sollte, dass Frauen IN die Unterwäsche gegriffen wurde, dann ist eine Grenze definitiv überschritten. Auch ist zu diskutieren, ob es nötig ist, Frauen sich bis auf die Unterwäsche ausziehen zu lassen, nur weil ein Vater im Verein angerufen hat.
Ich bin klar gegen Pyro in den Stadien, aber nur weil einzelne Fans diese Grenze überschreiten, müssen nicht auch die Sicherheitskräfte das gleiche tun. So etwas stachelt die beiden Parteien nur auf. Bei solchen Aktionen muss man schließlich auch langfristig denken.