bayer04blog

Wenn das Spiel mal wieder Nebensache wird.

“Die Würde des Menschen ist unantastbar”

Zu dem Spiel am Mittwochabend in Leverkusen hinter der Dauerstaustadt Köln waren gut 2.000 Frankfurter Anhänger, unter ihnen wie bei jedem Spiel der Adler auch viele Frauen, angereist. Am Block angekommen, machte sich schnell das Entsetzen breit.

So war für die weiblichen Fans ein Zelt aufgebaut worden, in dem sie bis auf die Unterwäsche sich ausziehen mussten. Auch vor, Augenzeugen zufolge, 8jährigen Mädchen machten diese menschenunwürdigen Kontrollen nicht halt. Als Grund wurde gegenüber der Frankfurter Fanbetreuung angegeben, man hätte einen ernstzunehmenden Hinweis erhalten, dass Frauen an diesem Abend Pyrotechnik in den Block schmuggeln würden.

Da sich selbstverständlich viele Frauen diese menschenverachtende “Maßnahme” nicht gefallen lassen wollten, blieben sie zusammen mit vielen solidarisierenden Männern vor dem Eingang des Stadions. Ein Teil der sich bereits im Block befindlichen Fans lies sich anschließend dazu bewegen, sich ebenfalls gegen dieses menschenunwürdige Vorgehen zu solidarisieren und verließen selbigen. Schade dass nicht alle Fans diesem Beispiel folgten (aber das eigene “Fußballvergnügen” ist wohl doch wichtiger als der Zusammenhalt der Fanszene).

Nach einer guten halben Stunde konnte die Polizei durch den dankenswerten Einsatz der Leverkusener Fanbetreuung und des Ordnungsdienstes dazu gebracht werden auf diese “Maßnahme” schließlich zu verzichten, so dass die Eintracht dann auch die Unterstützung bekam, die sie an diesem Abend auch verdiente.

Veröffentlicht wurde der Text auf sge4ever.de

Ich stehe in keinem direkten Kontakt mit Auswärtsfahrern der Frankfurter Fanszene, allerdings waren ein paar wenige Freunde (alle Bayerfans) von mir im Stadion. Ihnen haben Augenzeugen gesagt, dass die Frauen sich “nur” nicht eng-anliegende Oberteile (z.b. Pullover, weite Trikots, etc.) und eventuell die Schuhe ausziehen mussten. Jedoch kursieren die verschiedensten Versionen der Vorkommnisse herum, weswegen ich derzeit noch nicht sagen kann, wie es denn tatsächlich war. Sobald ich was genaueres erfahre, gibt es in diesem Blogartikel einen Nachtrag.

In wie weit so ein Handeln korrekt ist, muss jeder selbst für sich heraus finden. Die einen sagen, solche Kontrollen seien unwürdig und unnötig. Andere sehen nur einen logischen Schritt im Kampf gegen Pyrotechnik und Gewalt im Stadion.

Nachtrag 15:50 Uhr: FNP.de spricht auch von “bis auf die Unterwäsche ausziehen.”

16:11 Uhr: Stadionwelt.de schreibt unter anderem:

“Wie die Fanbetreuung von Eintracht Frankfurt Stadionwelt gegenüber bestätigte, kam es gestern Abend vor dem Gästeeingang zu erhöhten Sicherheitskontrollen, vor allem bei weiblichen Fans. Über die genauen Details der Kontrollen wurde angesichts der Aktualität der Vorfälle keinerlei Auskunft gegeben”

17:13 Uhr: hr-online äußert sich nun auch zum Vorfall. Die wichtigsten Aussagen:

“Meine Hose durfte ich zwar anlassen, musste aber meinen Pulli bis zum Hals hochziehen und wurden dann am BH abgetastet. Das geht gar nicht”, sagte Rotenberger gegenüber hr-online.

[...]

Marc Francis, Fanbeauftragter der Eintracht, bestätigte die Kontrollen. “Uns ist bekannt, dass sich einige Frauen bis auf BH und Unterhose entblößen mussten. Wer sich weigerte, durfte nicht ins Stadion.” Er wisse sogar von einem jungen Mädchen, das in einem der Zelte untersucht worden ist. Ob es sich auch ausziehen musste, sei ihm aber nicht bekannt. Männer seien hingegen ganz normal kontrolliert worden.

[...]

“Wir hatten Informationen, dass weibliche Fans von Eintracht Frankfurt Pyrotechnik ins Stadion transportieren wollten”, sagte Christoph Gilles, Polizeisprecher der Stadt Köln. Da die Beamten nicht für die Sicherheit in der BayArena zuständig seien, habe sich der Sicherheitsdienst der Sache angenommen.

21:25 Uhr: So langsam kommen einige Fakten und Aussagen zum Vorschein, da sich die lokalen Redaktionen eingeschaltet haben.

So hat Radio Leverkusen zu berichten:

Die Polizei bestätigte aber außerhalb des Stadions Auseinandersetzungen mit Frankfurter Fans im Zusammenhang mit Feuerwerkskörpern. Insgesamt soll es vier Verletzte gegeben haben.

Eine Frage die viele beschäftigt ist, was denn nun konkret der Auslöser dieser Aktion war. Bisher war nur bekannt, dass die Kölner Polizei “geheime Informationen” hätte, die zu diesem Handeln geführt hätten.

Nun hat vor gut einer Stunde die Rhein-Zeitung einen Onlineartikel veröffentlicht. In dem heißt es:

Spring spricht von “sehr stichhaltigen Hinweisen”, dass Frankfurter Fans im größeren Stil den Einsatz von Pyrotechnik im Stadion geplant hätten. Auslöser war dafür nach seinen Angaben der besorgte Anruf eines Vaters aus Frankfurt. Der Mann habe in E-Mails seinen Sohnes gelesen, dass weibliche Frankfurter Fans in größerem Stil Feuerwerksutensilien ins Stadion schmuggeln wollten.

Kommunikationsdirektor Sprink äußerte sich auch zum Ausmaß der Kontrolle:

Während der Frankfurter Fanbetreuung zahlreiche Berichte von weiblichen Fans vorliegen, dass sie dort ihren BH und ihren Slip freimachen mussten, weist Leverkusens Sprecher Sprink das zurück: “Man muss sehr vorsichtig sein mit dem, was im Internet abgeht. Mir ist das nicht bekannt, und der Leiter des Ordnungsdienstes sagt, das habe es nicht gegeben.” [...]

Für ihn steht aber fest: “Der Umstand, dass im Stadion nichts passiert ist und unbeteiligte Fans nicht der großen Gefahr durch Pyrotechnik ausgesetzt wurden, zeigt doch, dass einiges im Zusammenspiel von verschiedenen Kräften richtig gemacht wurde.” Auch der Fund der Pyrotechnik nach dem Spiel – zu Art und Zahl konnte er keine Angaben machen – bestätige auch, dass der Verdacht bei den mehrfach entsprechend aufgefallenen Frankfurter Fans gerechtfertigt gewesen sei. Zudem sei der Hinweis des Vaters mit den szenekundigen Beamten der Frankfurter Polizei besprochen worden, die den Hinweis auch ernst genommen hätten.

Die Frankfurter Rundschau wird morgen ihre Rechercheergebnisse veröffentlichen, die Frankfurter Fanbetreuung ist auch gewollt den Vorfall genau aufzuklären. Vor allem ist noch zu klären, wer diese Aktion abgesegnet hat. Die Polizei sagt, dass die Sicherheit im Stadion nicht ihre Aufgabe wäre, sondern die des zuständigen Ordnungsamtes oder des Sicherheitsteams der BayArena.

23:30: Auf rf-online.de ist zu lesen:

Mittlerweile haben zwei weibliche Fans Strafanzeigen gegen Leverkusener Ordnerinnen erstattet. Die Frauen, so ihr Vorwurf, hätten ihnen in die Unterwäsche gegriffen.

Und es wird nochmals eine Aussage von Sprink bestätigt.

Zwar hätten die Ordner bei den Fans keine Pyrotechnik entdeckt. Rund ums Stadion sei aber welche gefunden worden, so Sprink. Die Fans hätten sie offenbar entsorgt, als sie von den Kontrollen hörten.

24. Sep, 16:40 Uhr: Fortsetzung gibt es hier.

25. Sep, 19:00 Uhr: Eintracht Frankfurt bittet Bayer Leverkusen um Stellungnahme. Mehr hier.

3 Kommentare
  1. Christian says: 23. September 201021:49

    Das außerhalb des Stadions Pyro gefunden wurde, rechtfertigt diese Aktion in keiner Weise.

  2. Hattrick says: 24. September 201009:01

    @Christian Mmmmh, was rechtfertigt eine solche Aktion denn dann? Deiner Meinung nach. Würde es reichen, wenn unterm Bengalofeuer zehn, zwanzig Stadionsitze dahinschmelzen? Oder doch erst, wenn ein kleines Mädchen verbrennt?

    Stefan macht das schon richtig, dass er erst einmal die Berichte sammelt. Damit man sich ein umfassenden Bild machen kann. Wie es wirklich war, wissen nur die, die in dem Zelt drin waren. Ich habe jedenfalls noch keine Meinung, ob die Aktion gerchtfertigt war und ob die Ordner überzogen haben.

    Ironie: Was mich aber wundert, ist, dass wo immer Kontrollen stattfinden, diese anscheinend von notgeilen Ordnern durchgeführt werden, die Spaß dran haben Leute zu schikanieren und zu quälen. Woran liegt das?

  3. [...] setze den gestrigen “Liveartikel” hier fort und versuche mich gleich an einer Zusammenfassung. Zum Spiel selbst wird es nichts zu [...]

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